"Menschwerdung im Widerstand" - zum Todestag von Sr. Angela Autsch

 Für Bischof Hermann Glettler ist die Ordensfrau Angela Autsch OSst ein "herrlich wahrer Mensch". So bezeichnete der Bischof die Trinitarier-Nonne bei der Predigt am 4. Adventsonntag im Innsbrucker anlässlich ihres Todes am 23. Dezember 1944 vor 75 Jahren im KZ Auschwitz-Birkenau.

 

Angela Autsch OSst Foto Diözese Innsbruck

Als 33 Jährige Ordensfrau der Trinitarierinnen kom sie nach Mötz in der Nähe von Imst. (c) Diözese Innsbruck

 

Der "Engel von Auschwitz", wie sie Simon Wiesenthal nannte, verstarb am 23. Dezember 1944 im Konzentrationslager. 1992 wurde der Seligsprechungsprozess für Sr. Angela eröffnet. Papst Franziskus hat ihr im Mai 2018 den "heroischen Tugendgrad" zuerkannt und sie somit einen Schritt weiter in Richtung Seligsprechung gebracht. Die aus Deutschland stammende Ordensfrau lebte einige Jahre in Mötz in Tirol, bevor sie wegen ihres Widerstands gegen die Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Ravensbrück und dann nach Auschwitz gebracht wurde.

Angelau Autsch sei "in Einfachheit Mensch geworden", führte der Innsbrucker Bischof aus und verwies auf die ärmlichen Verhältnisse ihrer familiären Herkunft. Nach einer Lehre als Verkäuferin in einem Modegeschäft entschied sie sich für ein geistliches Leben und trat im September 1933 in das damals einzige deutschsprachige Kloster der Trinitarierinnen in Mötz ein. Als die Nationalsozialisten bereits 1938 versuchten, das Kloster in Mötz zu beschlagnahmen, habe sich Sr. Angela erfolgreich zur Wehr gesetzt, "aber der Weg einer radikalen Kreuzesnachfolge war damit vorgezeichnet", begleitet von offene Schmähungen, Lüge und Verleumdung, so Glettler.

Menschwerdung im Widerstand

"Menschwerdung im Widerstand und in Gottverbundenheit", zeichne Autsch aus. Davon zeugten auch ihre 67 erhalten gebliebenen Briefe aus vierjähriger Haftzeit, in denen Sr. Angela zumeist verschlüsselt über ihren Alltag und über ihren tiefen Glauben an Gott berichtete. "Die Jahre im KZ haben sie weder in die Falle des Hasses getrieben, noch innerlich verbittert. Sie lebte aus einer tiefen, mystischen Verbundenheit mit dem demütigen und armen Christus. Nur so ist es 'erklärbar', dass sie in der Hölle radikaler Entmenschlichung zu einer Nächstenliebe fähig war, die alle Maßstäbe übersteigt", sagte der Innsbrucker Bischof.

Ursprünglich stammte Maria Cäcilia Autsch aus dem westfälischen Röllecken, wo sie am 26. März 1900 geboren wurde. Wegen "Führerbeleidigung und Wehrkraftzersetzung" wurde sie im August 1940 in das KZ Ravensbrück gebracht. Mit der Häftlingsnummer 4651 trug sie den roten Winkel der politischen Gefangenen. 1942 wurde Sr. Angela ins KZ Auschwitz überstellt, wo sie die Nummer 512 erhielt. Sie wurde dem Lazarett zugewiesen, das der SS und der Wachmannschaft vorbehalten war, und sollte sich um die Wäschekammer und die Verteilung der Essensrationen kümmern. Dadurch konnte sie Mithäftlingen geheim mit Essen, warmen Wasser und Seife helfen; mitunter versteckte sie erkrankte Mithäftlinge in der Wäschekammer. Aufgrund eines Herzinfarkts infolge eines Luftangriffs am 23. Dezember 1944 auf das Konzentrationslager verstarb die Ordensfrau.

Neue Biografie

 

Das Leben von Angela Autsch, die täglich ihr Leben riskierte, um ihren Mitgefangenen zu helfen und ihre Not zu lindern, hat  Annemarie Regensburger zu einer literarischen Biographie inspiriert. Das Buch ist das Ergebnis jahrelanger Recherchen und eingehender Beschäftigung mit Angela Autsch und lässt den Leser teilhaben an der Lebensgeschichte einer mutigen Frau, die auch in Zeiten des Terrors zu ihren persönlichen und religiösen Überzeugungen stand. Das Buch ist im Tyrolia-Verlag erschienen, umfasst 236 Seiten und kostet 19,95 Euro.

 

Zum Buch auf der Seite des Tyrolia-Verlages 

Quelle: kathpress, Diözese Innsbruck

[mgsellmann]