Ordensnachwuchs besucht aufgehobene Klöster

2013 02 08 Herzogenburg 01 klein f TeaserÖsterreich ist auch im 21. Jahrhundert ein Klösterreich. Allerdings gab es vor den zahlreichen Klosteraufhebungen Josephs II. noch einige alte Stifte mehr. Die Augustiner-Jungherren besuchten ehemalige Stifte.


Die Junioren der österreichischen Augustiner-Chorherren-Stifte trafen sich zum Austausch und zur Fortbildung im Stift Herzogenburg. Ein Schwerpunktthema dabei war die Zeit der Aufklärung mit ihren vielen Klosteraufhebungen. Allein 15 Stifte der Augustiner-Chorherren wurden zur Zeit Josephs II. in den österreichischen Erblanden aufgelöst. Prominentestes Opfer war das Stift St. Dorothea in Wien, wo heute das Auktionshaus Dorotheum untergebracht ist. Auch an Donau und Traisen wurden drei alte Stifte aufgehoben: St. Pölten, Dürnstein und St. Andrä.

Junger Besuch in alten Gemäuern

Rund ein Dutzend Novizen und junge Kleriker der Augustiner-Chorherren besuchten in den Junioratstagen die alten Stätten.
„Wo früher Chorherren in  gleich vier Stiften geistlich und seelsorgerisch tätig waren, existiert heute nur mehr unser Stift in Herzogenburg“, erklärte Stiftspropst Maximilian Fürnsinn. In St. Andrä und Dürnstein wirken heute Herzogenburger Chorherren als Pfarrer. Stift und Stiftskirche von St. Pölten dienen heute als Dom und Bischofshof. Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg übernahm Ende des 18. Jahrhunderts die Administration der aufgelassenen Schwesternstifte Dürnstein und St. Andrä/ Traisen. „Das bedeutete, dass wir die anderen Stifte buchstäblich abzuwickeln hatten“, erläutert Stiftsdechant Mauritius Lenz, der Leiter der Tagung. „Die Erlöse mussten überwiegend in den neu gegründeten Religionsfonds überwiesen werden. Alles auf Anordnung der kaiserlichen Regierung“, so H. Mauritius weiter. Immerhin seien die Archivalien der untergegangenen Stifte in das Stiftsarchiv Herzogenburg übergegangen.

2013 02 08 Herzogenburg 02 klein f web

Weinbau mit vielen Stiften eng verbunden

Mit Besuchen in den ehemaligen Stiften verschaffte sich der Ordensnachwuchs einen direkten Überblick über Geschichte und Gegenwart des historischen Erbes der Chorherren in der Region. Propst Maximilian führte persönlich durch Dürnstein, wo die Stiftsgebäude unversehrt erhalten blieben. Ein Besuch im Weinschlössl und im Weingut der barocken Stiftspröpste von Dürnstein ließ die Lebensfreude des Barocks lebendig werden. Heute gehören die alten Stiftsweingüter zur „Domäne Wachau“.

Augustiner-Chorherrenstifte sind auch heute lebendig

Zur Österreichischen Augustiner-Chorherren-Kongregation gehören heute neben dem Stift Herzogenburg noch die Stifte Klosterneuburg, Reichersberg, St. Florian und Vorau sowie Neustift in Südtirol. Gemeinsam sind sechs Kongregationen in Österreich, Italien, Frankreich, Deutschland, England und der Schweiz in der Chorherren-Konföderation zusammengefasst. Berühmt ist die Kongregation vom Lateran in Rom. Auch im ältesten noch existierenden Kloster der lateinischen Kirche, in St. Maurice in der Schweiz, wirken Augustiner-Chorherren.

[Stift Herzogenburg/ms]