Äbtissin und Kirchengeschichtlerin Agnes Timar ist gestorben

Mit 92 Jahren ist die Zisterzienserin Agnes Timar im Kloster Kismaros verstorben. Sie war eine der bekanntesten Ordensfrauen in Ungarn, gründete in Budapest ein Untergrundkloster und war nach mehrjähriger Haft Leiterin des ungarischen kirchenhistorischen Instituts.

 Anges Timar Äbtissin Zisterzienserin Ungarn ist gestoben.

Wurde 92 Jahre alt: Agnes Timar. (c) Renovabis

Eine "unbestechliche Beobachterin und Forscherin zur kirchlichen Zeitgeschichte in Ungarn" ist tot: Agnes Timar, Zeitzeugin des Kommunismus und eine der bekanntesten Ordensfrauen Ungarns. Die Zisterzienseräbtissin habe "viel zur Aufarbeitung der jüngsten Kirchengeschichte während des kommunistischen Regimes in Ungarn beigetragen", wurde sie vom Hauptgeschäftsführer des deutschen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis, Pfarrer Christian Hartl, in einer Aussendung vom Mittwoch gewürdigt. Sr. Timar war bereits am 31. August in ihrem Kloster Kismaros 92-jährig verstorben.

Forschung zu Kommunismus

Agnes Timar war viele Jahre lang Leiterin des kirchenhistorischen Instituts in Ungarn und erforschte die Geschichte der ungarischen Kirche während der Zeit des Kommunismus. Diese Arbeit stieß auf viel Anerkennung, aber auch auf Widerstände. Denn die Ängste, dass die Auswertung von Polizei-, Geheimdienst- und Gerichtsakten aus der Zeit des Kommunismus nicht nur die Verfolgung der Kirche, sondern auch die Verstrickung einzelner Geistlicher mit dem System zum Vorschein bringen könnte, waren zum Teil groß.

Klostergründung im Untergrund

Die 1928 in Budapest geborene Ordensfrau wollte nach ihrem Theologiestudium Bauingenieurin werden und studierte an der Technischen Universität. 1950 legte sie die Gelübde für den Zisterzienserinnenorden ab und gründete 1955 in Budapest im Untergrund die "Unsichtbare Abtei" Boldogasszony Haza (Haus der heiligen Jungfrau). Geistlicher Beistand war der Piaristenpater Ödön Lenard. Ebenso wie P. Lenard musste auch Oberin Timar mehrjährige Gefängnisstrafen - von 1961 bis 1963 sowie erneut von 1966 bis 1968 - erleiden, weil sie trotz des damaligen Verbotes weiter als Ordensfrau aktiv war.

Kirchenhistorisches Institut

Das von P. Lenard gegründete kirchenhistorische Institut hatte seinen Sitz zunächst im Zisterzienserinnenkloster Kismaros, dessen Äbtissin Sr. Timar viele Jahre lang war, und befindet sich jetzt in Vac. Die Arbeit des Instituts ist einzigartig in Ungarn; auch ist das Anliegen, ein objektives Bild der Verfolgungszeit der Kirche von 1945 bis 1990 zu erarbeiten, unvermindert aktuell. Erklärtes Ziel von Sr. Timars Nachfolgerinnen ist es auch, das gesammelte Wissen breiteren Kreisen bekannt zu machen, insbesondere der jüngeren Generation der ungarischen Katholiken. Dies geschieht durch Schulbesuche, Unterrichtsmaterialien oder Ausstellungen.

 
Quelle: Kathpress
 
[elisabeth mayr]