Abtprimas Wolf: Kirche braucht mehr demokratisches Denken und mehr kollegiale Führungsformen

Abtprimas WolfDer oberste Benediktiner Abtprimas Notker Wolf plädiert im "Kleine Zeitung"-Interview für mehr demokratisches Denken in der Kirche. Neben der unabdingbaren Weitergabe des Glaubens müsse sich der kommende Papst vor allem auch um modernere Formen der Verwaltung und der Führung der Kirche bemühen.

"Der neue Papst muss sich mit vielen Leuten austauschen. Er braucht gute Berater und eine gute Kurie. Die ganze Struktur muss durchgeforstet werden", so Wolf wörtlich in Interview mit der "Kleinen Zeitung" am Sonntag. Für den weltweit obersten Benediktinermönch braucht es in der Kirche mehr demokratisches Denken und mehr kollegiale Führungsformen, freilich immer  mit und nicht ohne den Papst.

Das Papstamt müsse von seinen Ursprüngen her gesehen werden. Jesus hat Petrus eingesetzt, um seine Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken. Es braucht eine zentrale Leitung, es braucht Rom, es braucht den Papst. Wie wichtig diese Anbindung für die Weltkirche ist, zeige das Beispiel der Katholiken in China. Wolf: "Für sie ist Rom ein Leuchtturm. Wäre es nicht der Papst, der die dortigen Ortsbischöfe ernennt, würde der chinesische Episkopat unter den Einfluss des Regimes in Peking gelangen."

Papst ist nur ein Mensch

Jeder, der das Papstamt ausfüllt, "ist nur ein Mensch". Kein Nachfolger Petri sei perfekt, jeder habe Schwächen und sündige auch, so der Abtprimas: "Das Großartige am Papstamt und unserer katholischen Universalkirche ist allerdings, dass beide trotzdem die Botschaft Jesu bei allen Schwächen bis in unsere Tage durchgetragen hat. Wer sonst, wenn nicht der Papst, setzt sich heute für die Menschenrechte und für den Frieden in der Welt ein?" Wolf weist falsche Vorstellungen vom päpstlichen Leitungsamt zurück: "Die Leute meinen ja immer, die Unfehlbarkeit des Papstes bestünde darin, dass er von seinem Schreibtisch aus etwas dekretiert, und jeder müsse dann daran glauben. Aber das stimmt gar nicht." Der Abtprimas erinnert an Papst Pius XII., der im Jahr 1950 das Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens verkündet hatte. Zuvor habe er sich mit allen Bischöfen beraten. 

Mehr Kollegialität und Demokratie

Er hoffe jedenfalls sehr, "dass sich in der Kirche mehr an kollegialem und demokratischem Denken durchsetzt". Viele Bischöfe hätten Angst, sich mit den Gläubigen zu beraten. "Sie eröffnen Dialogprozesse, legen davor aber fest, worüber nicht gesprochen werden darf. Das geht nicht!", so der Abtprimas. Nach Meinung von Abtprimas Wolf hat Benedikt XVI. der Kirche mit seinem Rücktritt einen sehr positiven Dienst erwiesen. Er habe das Papstamt "redimensioniert" und wieder "ins rechte Lot" gebracht. Wolf: "Der Papst war ursprünglich der Bischof von Rom. Im Mittelalter und in der Neuzeit hat er dann eine ganz andere Stellung bekommen und ist gerade im letzten Jahrhundert schließlich fast vergöttlicht worden. Der Papst ist aber kein zweiter Gott, sondern ein Mensch, der als Nachfolger Petri die Kirche führen soll." Die Kirche sei kein Menschenwerk, "sondern vom lieben Gott geleitet. Und der tut sich mit uns störrischen Böcken manchmal halt sehr schwer." Wie soll der neue Papst sein?  Menschenfreundlich. Tiefgläubig. Bescheiden.

Link zum Beitrag in der Kleinen Zeitung.

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