Menschenrechtsaktivist P. Swamy in Indien festgenommen

Die indische Bundespolizei hat am 8. Oktober den Jesuitenpater Stan Lourduswamy wegen "aufrührerischen Reden" festgenommen, wie die Jesuitenmission heute in einer Aussendung berichtete. Menschenrechtsaktivisten kritisieren die Festnahme scharf, seine Mitbrüder haben eine Online-Petition gestartet.

 

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P. Stan Lourduswamy, „Pater Swamy“, setzt sich seit über 50 Jahren für die Armen und Ausgegrenzten in Indien ein, vor allem die Dalits und Adivasis. (c) Jesuitenmission

 

Die Bundesbehörde NIA (National Investigation Agency) hat den 83-jährigen Priester auf dem Bagaicha-Campus, seinem Wohnsitz in der Nähe von Ranchi, der Hauptstadt des ostindischen Bundesstaates Jharkhand, verhaftet. Als Grund seiner Verhaftung wird seine angebliche Anwesenheit bei Protesten in Bhima Koregaon am 1. Januar 2018 genannt, einem winzigen Dorf in der Nähe der Stadt Pune im westindischen Bundesstaat Maharashtra, als Dalits – „Unberührbare“ im indischen Kastensystem – und Angehörige „höherer“ Kasten aufeinanderstießen. Ca. 35.000 Personen waren dort zugegen.

Kein Haftbefehl

Es kam zu Gewalttätigkeiten mit einem Toten und zahlreichen Verletzten. Aufgrund dieser Veranstaltung wurden bereits 16 Personen verhaftet, darunter die Menschenrechtsanwälte Arun Ferreira und Sudha Bharadwaj und die Schriftsteller Vernon Gonsalvez und Varavara Rao. Das katholische Online-Magazin „Matters India“ zitiert einen von Pater Swamys Mitbrüdern, dass die Behörde keinen Haftbefehl gegen den Priester vorgelegt habe: „Die Leute vom NIA waren grob und arrogant.“

Stundenlange Verhöre

Pater Swamy wurde seit Juli 2020 bereits mehrfach verhört, teilweise über 15 Stunden ohne Unterbrechung. Er bestreitet seine Anwesenheit bei dieser Versammlung, erst recht bestreitet er Sympathien mit oder Aktionen zugunsten maoistischer Ideologie oder so motivierter Gewalttaten.

Seine Verhaftung wurde durch seinen Provinzial, George Pattery SJ, verurteilt sowie durch die Indische Katholische Bischofskonferenz. In Rom meldete sich der Sekretär des Sekretariats für Soziales und Ökologie an der Generalsverwaltung der Jesuiten, Xavier Jeyaraj SJ, zu Wort.

Zum Stand 14.10.2020 befinden sich nahezu 100 Repräsentanten von Menschenrechts- und Basisorganisationen sowie andere Befürworter von Pater Swamy zu seiner Unterstützung im Hungerstreik. Diverse Petitionen zur Freilassung von Pater Swami auf www.change.org hatten zum Stand 14.10.2020 bereits 50.000 Unterschriften.

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Die Online-Petition auf www.change.org hat bereits über 50.000 Unterschriften. (c) Screenshot

Pater Swamy ließ aus der Haft eine Botschaft ausrichten, er hoffe, dass „der menschliche Verstand siegen“ werde: „Wenn nicht, müssen und können wir bereit sein, die Konsequenzen zu tragen“, sagt er und dankt allen, die sich mit ihm solidarisch zeigen.

[elisabeth mayr]