Die Arbeit mit Flüchtlingen ist unser Auftrag

Nach 20jähriger Seelsorge für Migranten kehrt der Steyler Missionar P. Patrick Kofi Kodom in seine Heimat Ghana zurück. „Fremdenfeindlichkeit und Rassismus bekam er in Österreich am eigenen Leib zu spüren“, liest man in einer Aussendung der Gemeinschaft.

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P. Patrick Kofi Kodom leistete große Arbeit für die Steyler Missionare in Österreich (c)  Franz Helm SVD, Christian Tauchner SVD

 

Ein Ende und ein Neubeginn

 

An einem grauen Wintertag Ende Dezember 2020 bestieg P.Patrick Kofi Kodom in Wien-Schwechat das Flugzeug, das ihn zurück nach Afrika brachte. Im März 2001 hatte hier das Abenteuer Europa für den jungen Missionar aus Ghana begonnen. Auf fünf Jahre hatte er seinen Missionseinsatz in Österreich angedacht, nun waren fast 20 Jahre daraus geworden.

Eine Zeit, in der P. Kodom in Österreich zum Vorreiter und Wegbereiter für die Seelsorge mit Flüchtlingen wurde. P. Kodom kam 1969 als Sohn einfacher Bauern in Ghana zur Welt. In seiner Heimatpfarre lernte er die Steyler Missionare kennen. 1992 trat er selbst in die „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ ein. Nach dem Philosophie- und Theologiestudium meldete sich der junge Priester für einen Missionseinsatz in Europa. „1990 haben die Steyler Missionare auch Europa zum Missionsgebiet erklärt. Ein völlig neuer Ansatz.

Hinzu kam, dass die Zahl der Migranten in den europäischen Ländern stark gestiegen war. Es war daher der Wunsch der Ordensleitungen, Mitbrüder aus Afrika in der Arbeit mit Geflüchteten und Migranten einzusetzen.“ Diese konkrete Aufgabe reizte P. Kodom.

Als erster afrikanischer Steyler Missionar erhielt er eine Missionsbestimmung für Österreich. Die unbekannte Sprache, ungewohnte Speisen und die kalten Temperaturen ließen ihn einen Kulturschock erleiden.

Fremdenfeindlichkeit in Österreich

Doch viel schlimmer waren die Fremdenfeindlichkeit und der Rassismus, die ihm entgegenschlugen. „Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich auf dem Weg vom Missionshaus St. Gabriel zum Deutschkurs nach Wien von der Polizei kontrolliert wurde. Am Anfang habe ich mir nichts dabei gedacht, aber dann fiel mir auf, dass immer ich als Einziger herausgeholt wurde.“

Dass er als schwarzer Afrikaner in den Augen der österreichischen Polizei verdächtig war, mit Drogen zu handeln, wurde ihm erst nach und nach klar. Weil er – bewusst - in Zivil ging, wurde er nicht sofort als Priester wahrgenommen. Auch bei einem Betriebsseelsorge-Praktikum erfährt er wegen seiner Hautfarbe Ablehnung.

Seine Schichtgruppe wollte nicht mit einem „Schwarzen“ zusammenarbeiten. Auch später machte Kofi Kodom immer wieder die Erfahrung, dass er als Afrikaner in Österreich nur wegen seiner Rolle als Priester akzeptiert wurde, „aber nicht als Mensch“, wie er rückblickend feststellt.

Initiative für Schubhaftseelsorge

 

P. Kodom konnte sich gut in die Situation von geflüchteten Menschen einfühlen, als er nach zwei Jahren als Kaplan in Innsbruck seine Tätigkeit in der Flüchtlingsseelsorge zu begann.

Zuerst begleitete er im Flüchtlingslager Traiskirchen die Neuankömmlinge und half ihnen bei der ersten Orientierung. Immer wieder passierte es, dass ihn Asylwerber, die er aus Traiskirchen kannte, aus der Schubhaft kontaktieren. Als er diese Menschen besuchte, stellte er fest, dass es in der Schubhaft zwar Gottesdienste, aber keine persönliche Seelsorge gab. Gemeinsam mit dem Verein „Fair und sensibel“, der sich um ein gutes Miteinander von Polizei und Afrikanern bemüht, wandte er sich an die Erzdiözese Wien.

Es gelang dem Steyler Missionar, den zuständigen Weihbischof Franz Scharl und den damaligen Polizeipräsidenten für das Thema Schubhaftseelsorge zu gewinnen. Am 1. November 2008 begann P. Kodom offiziell mit seiner Arbeit als Schubhaftseelsorger in den Polizeianhaltezentren Hernalser Gürtel und Roßauer Lände in Wien. Seine Sprachkenntnisse – neben Deutsch, Englisch und Französisch spricht er auch die afrikanischen Sprachen Suaheli und Twi – halfen ihm bei den Gesprächen mit den Häftlingen, die auf ihre Abschiebung warten mussten.

Er hört zu, spricht Mut zu, stellt Kontakt zu den Familien her und vermittelt Rechtsberatung. Und er betete mit den Häftlingen, auch mit jenen, die keine Christen waren – bei seinen Besuchen im Gefängnis hatte er stets die Bibel und den Koran dabei.
Für sein Engagement erhielt P. Kofi 2010 die Friedensrose Waldhausen.

Flüchtlingsseelsorger in Vorarlberg

 

Von 2013 bis 2015 absolvierte P. Kodom ein Masterstudium in Pastoraltheologie und Migrantenseelsorge in Rom. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen seine praktischen Erfahrungen ergänzen. 2015 kam P. Kofi nach Österreich zurück, diesmal in die Niederlassung der Steyler Missionare in Dornbirn (Vorarlberg) und übernahm erneut eine Vorreiterrolle: Von der Diözese Feldkirch wurde er zum ersten Flüchtlings- und Migrantenseelsorger in Vorarlberg ernannt.

Eine Antwort der Caritas und der Diözese auf die große Fluchtbewegung, die das Land in diesem Jahr erreichte. P. Kofi besuchte die Flüchtlingsunterkünfte, sprach mit den Menschen über ihre Ängste und Belastungen. Vor allem den unbegleiteten jugendIichen Flüchtlingen gehörten seine Sorge und Zuwendung. Bei Besuchen in Schulen, Diskussionsveranstaltungen und Vorträgen versuchte er, Vorurteile gegenüber geflüchteten Menschen abzubauen.

Erfahrungen weitergeben

 

Nach fast 20 Jahren Missionstätigkeit in Europa sah P. Kodom nun einen „guten Zeitpunkt“ gekommen, in seine Heimat Ghana zurückzukehren. „Jetzt bin ich noch nicht zu alt, um mich wieder zu Hause einzuleben.“ Noch ist nicht endgültig klar, welche Aufgabe er im Orden übernehmen wird. „Wahrscheinlich werde ich in der Ausbildung der jungen Mitbrüder tätig sein.“ Seine Erfahrungen sollen in Zukunft jenen Steylern helfen, die sich dafür entscheiden, als Missionare nach Europa zu gehen.

„2001 war ich der einzige Afrikaner in der Mitteleuropäischen Provinz, zuletzt waren wir schon zehn“, sieht er diese Entwicklung durchaus positiv. Vor allem, wenn die Steyler Missionare Aufgaben übernehmen, die „das Charisma unseres Ordens spürbar machen, an die Grenzen zu gehen.“ Die Arbeit mit Flüchtlingen gehöre hier eindeutig dazu. So sehr sich P. Kodom darauf freut, wieder in seinem Heimatland zu arbeiten, so manches an Österreich wird er vermissen: Die herrliche Landschaft, die Berge, Wälder und Seen und das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung hatte er zu schätzen gelernt, und – nach einer gewissen Eingewöhnungszeit – auch die österreichische Küche: „Schweinsbraten mit Knödel und Kässpätzle werden mir schon abgehen!“

 

Quelle: Steyler Missionare

 

[magdalena schauer-burkart]