Behutsamen Umgang mit Umwelt und solides Wirtschaften verbinden

IAbt Neulingernterdisziplinäre Ringvorlesung zu Ethik und Wirtschaft nimmt auch die Regel des Ordensgründers Benedikt ins Visier. Daraus ergeben sich Impulse für Nachhaltigkeit und Menschenführung. Abt Neulinger von Lambach: "Wir quetschen uns schlimmer aus als eine Zitrone."

 

Benediktinerklöster nutzen ihr spirituelles Erbe auch für das praktische Handeln, etwa bei Ökologie, der nachhaltigen Wirtschaft und der Mitarbeiterführung. Das zeigen zwei interdisziplinäre Forschungsprojekte, die am Dienstagabend bei einer Ringvorlesung zu Wirtschaft und Ethik an der Johannes Kepler Universität (JKU) vorgestellt wurden. Zwischen Wirtschaft und Klosterleben gibt es eine Schnittstelle, deren Beachtung beide Seiten in zentralen Problemen weiterhelfen kann, so der Tenor der Vortragenden aus Theologie und Ökonomie.
 
"Klöster müssen positiv bilanzieren und von ihren Erträgen leben, sind zugleich aber besonderen ethischen Maßstäben verpflichtet und brauchen keine gigantischen Gewinne", so der Moraltheologe Prof. Michael Rosenberger von der Katholisch-Theologischen Privatuniversität in Linz im Interview mit "Kathpress". Sein Forschungsprojekt überprüfte, wie weit das ökologische Handeln der Klöster von der Benedikts-Regel geprägt ist. Diese sei "aus einer Erfahrung gewachsen, dass sich behutsamer Umgang mit der Schöpfung mit solider Wirtschaftsweise verbinden lässt", so Rosenberger.

Idee: Schöpfung als Gabe Gottes
 
Zu den "schönen Spuren" von Ökologie in der Regel des Ordensgründers aus dem sechsten Jahrhundert zählt der Theologe "die Idee, dass Schöpfung eine Gabe Gottes ist. Da Geschenke Zuwendung und Wertschätzung signalisieren, geht man in der Regel mit ihnen behutsamer um", so Rosenberger. Eindrucksvoll sei besonders Benedikts Anweisung, der Klosterökonom solle alle materiellen Güter des Klosters "wie heilige Gefäße" behandeln. In sehr unterschiedlichem Ausmaß würden Benediktinerklöster heute bereits ökologisch wirtschaften, zeigt Rosenbergers Untersuchung von sechs Stiften des Ordens in Österreich und Bayern. Konkret würden Klöster beispielsweise gemeinsam mit Biobauern ihre Produkte vermarkten, die Energie aus Photovoltaik oder Hackschnitzel beziehen, Tiere artgerecht halten, bei Weinbau und Forstwirtschaft auf Nachhaltigkeit achten oder diese auch in klösterlichen Bildungseinrichtungen thematisieren. Bei der Durchführung sind Klöster eindeutig zunehmend auf externes Fachwissen angewiesen. "Die meisten Klöster tun bereits viel und orientieren sich nach offiziellen Öko-Standards", so der Forschungsleiter, der zudem die Vorbildfunktion der Stifte für die jeweilige Region betonte. Probleme würden häufig die großen Immobilien bereiten, bei denen etwa der Denkmalschutz eine Sanierung erschwere oder der Energiebedarf zur Hürde werde. Die untersuchten bayrischen Klöster der Studie seien in diesem Punkt meist weiter entwickelt als die österreichischen - für Rosenberger ein spätes Erbe u.a. des Josephinismus. "Hierzulande fehlen Mönche in Betrieben, da sie mehr in Stiftspfarren tätig sind."

Epoche des Ausquetschens
 
Einen klösterlichen Blick auf die Wirtschaft warf der Lambacher Abt Maximilian Neulinger: "Viele Menschen gehen über die Grenzen, wie etwa der Vormarsch psychosomatischer Krankheiten zeigt. Wir quetschen uns schlimmer aus als eine Zitrone und haben vergessen, wie wir ge- und beschaffen sind", so der Benediktinermönch in seinem Vortrag. Wichtig sei es, den Menschen mit dessen Grenzen, Bedürfnissen und Möglichkeiten wieder mehr zu sehen und ihm gerecht zu werden. Das Menschenbild des heiligen Benedikt liefere heute zwar keine konkrete Handlungsanweisung, doch jedenfalls brauchbare Prinzipien durch ein spezifisches Menschen- und Gottesbild sowie durch den Blick auf die Schöpfung, so der Abt zum Thema der Mitarbeiterführung. Dem Ordensgründer sei es darum gegangen, authentisch, selbstkritisch und im rechten Maß zu handeln, zudem habe er die persönliche Reife betont. "Wichtig für das Verständnis anderer ist, auch eigene Zerbrechlichkeit und eigenes Scheitern zu sehen, denn wir sind alle keine Wundertäter." Auch Neulinger betonte, dass Klöster heute für ihre meisten Arbeitsfelder externe fachliche Unterstützung benötigten. "Wir brauchen das Wissen der Gegenwart, müssen Leistungen zukaufen und können nicht mehr autark, sondern höchstens autonom leben", so der Abt gegenüber "Kathpress". Beriefen sich Klöster zu sehr auf Tradition und Geschichte, könne dies mitunter auch zum "Klotz" werden und mit ängstlichem Rückzug aus der Gegenwart verbunden sein. Wichtig sei ein im Gottesvertrauen begründeter Glaube, dass es "auch in der Gegenwart etwas Gutes gibt".
 
Befruchtender Austausch
 
Dass Wirtschaft und Klöster voneinander profitieren könnten, betonte Prof. Birgit Feldbauer-Durstmüller vom Institut für Controlling und Consulting der JKU Linz. "Die Klöster profitieren durch Professionalisierung und Know-How-Transfer, während die Betriebswirte Einblicke bekommen, wie Klöster als jahrhundertealte Vertrauensorganisationen funktionieren. Sie ähneln hier sehr den Familienunternehmen, sind jedoch noch stärker von einem besonderen Menschenbild und der Notwendigkeit zur authentischen Balance zwischen Beten, Arbeiten und Zeugnis geben geprägt", so die Leiterin der Ringvorlesung.

Quelle: Kathpress 

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