Entscheidungen statt Anordnungen

2013 08 01 Grazer SchulschwesternDie Grazer Schulschwestern haben ihr Generalkapitel abgeschlossen, das sie alle sechs Jahre abhalten. In gemischten und getrennten Sprachgruppen haben 40 gewählte Delegierte intensiv über die Neuformulierung der Konstitutionen beraten.

Französisch, Portugiesisch, Albanisch, Deutsch, … Die Kongregation der Grazer Schulschwestern, im vollen Namen Franziskanerinnen von der Unbefleckten Empfängnis, ist nicht groß, aber international, und ihre Mitglieder sprechen dementsprechend viele verschiedene Sprachen. „Wir haben die Konstitutionen teilweise nach Sprachgruppen überarbeitet, teilweise in gemischten Gruppen, immer mit Übersetzung“, beschreibt Sr. Petra Rosenberger, die neugewählte Generaloberin, die Methodik des Generalkapitels. Die erfahrene Moderatorin Sr. Basina Kloos, bis vor einem Jahr Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen in Deutschland, hat dabei große Dienste geleistet. „In den letzten Jahren war ein Entwurf für die Neuformulierung unserer Konstitutionen erarbeitet worden, den wir nun Absatz für Absatz intensiv durchgearbeitet haben.“ Inhaltlich war die Arbeit intensiv, und auch persönlich ist eine konstruktive und freundschaftliche Atmosphäre gewachsen.

Wir schalten unser Gewissen nicht aus

Das Generalkapitel in Graz hat am 16. Juli 2013 mit Berichten aus den Provinzen, Finanzberichten und dem Bericht der scheidenden Generaloberin begonnen. Gleich anschließend wurde die Ordensleitung neu gewählt, in Anwesenheit des Diözesanbischofs Egon Kapellari. Sr. Anna Rosenberger, die neue Generaloberin, war bereits 12 Jahre Generalvikarin des Ordens und in die Leitung der Franziskanerinnen aktiv eingebunden. „Trotzdem konnte ich mir noch vor kurzem nicht vorstellen, dass ich Generaloberin werde“, sagt sie. „Ich bin keine typische Oberin.“ Ihre Erfahrung in der Ordensleitung und ihre Sprachenkenntnisse – sie unterrichtete vor ihrer Pensionierung neben Musik auch Englisch, lernte zusätzlich Portugiesisch und Französisch – sprachen aber eindeutig für sie als Generaloberin. Persönlich ist sie sehr froh über die Neuerarbeitung der Konstitutionen. „Früher hieß es in den Konstitutionen zum Beispiel: ‚Wir befolgen die Anordnungen unserer Oberen.‘ Im neuen Text heißt es sinngemäß: ‚Wir nehmen die Entscheidungen der Oberen an.‘ Aber wir erwähnen unsere Bedenken! Wir schalten unser Gewissen nicht aus.“

Von der Kultur des Zusammenlebens

In den Arbeitsgruppen des Generalkapitels wurden auch andere Fragen besprochen, die die Zukunft der Gemeinschaft betreffen. Etwa: „Welche Kultur des gemeinsamen Lebens brauchen wir, damit wir unsere Sendung gut erfüllen können?“. Die Kultur des gemeinsamen Lebens haben die 40 Kapitularinnen auch ganz praktisch gepflegt. Die Liturgien wurden jeweils von den unterschiedlichen Sprachgruppen gestaltet, ebenso wie das Abendprogramm, an dem sich die einzelnen Gruppen auch näher vorgestellt haben. „In den Pausen und bei Tisch haben die Schwestern auch ohne gemeinsame Sprachkenntnisse kommuniziert“, erzählt Sr. Petra. Den Abschluss des Generalkapitels bildete ein Ausflug am 27. Juli ins Stift Vorau, das heuer 850-Jahr-Jubiläum feiert, ins steirische Haus der Frauen und zu den Benediktinerinnen, die dort mitarbeiten, sowie zur Wallfahrtskirche auf den Pöllauberg. Dann sind die beratenden Ordensfrauen wieder an ihre Wirkungsstätten in die Provinzen Frankreich, Brasilien, Südafrika, Montenegro, Slowenien und Österreich zurückgekehrt.

Foto: Sr. Mag. Petra Rosenberger mit Vorgängerin Sr. Brigitte Gölles, Grazer Schulschwestern

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