Von der Jugend lernen

S 4 Treffpunkt Benedikt 120Papst Franziskus hat 2015 zum JAHR DER ORDEN ausgerufen. Das Themenjahr richtet sich vor allem an die Jugend, ihr soll die „Schönheit“ der Berufung vor Augen geführt werden. Gleichzeitig hob Franziskus auch die „Notwendigkeit des Engagements von jungen Menschen hervor“. Die Jugend lernt von den Orden – und umgekehrt.

Fällt das Stichwort „Kloster“, denkt man fast automatisch an jahrhundertalte Tradition. Tatsächlich blickt man im Benediktinerstift Kremsmünster stolz auf die Vergangenheit zurück – aber man schaut auch bewusst in die Zukunft. Seit Oktober 2008 gibt es hier den Treffpunkt Benedikt. Der Name steht für ein Treffen für 17 bis 35-jährige, das jeden ersten Samstag im Monat stattfindet und einen einstündigen Vortrag, Vesper, Anbetung, Eucharistiefeier und gemütliches Beisammensein umfasst. Während der Gebetsstunde besteht die Möglichkeit zur Beichte und Aussprache. Viele Jugendliche nützen diese Möglichkeit. Kerzenprozessionen durch den Klosterfriedhof, ein Sportprogramm oder ein Film bis Mitternacht ergänzen je nach Thema und Zeit das Programm.

Keine Ordensrekrutierung, sondern Lebenserfahrung

„Der Treffpunkt Benedikt ist nicht zufällig entstanden“, erzählt Pater Bernhard Eckerstorfer, die treibende Kraft hinter dieser Initiative. „Es war in Absprache mit Abt Ambros eine bewusste Entscheidung, dass ich als Novizenmeister keine Pfarre seelsorgerisch betreue, sondern mich auf die Berufungspastoral konzentriere.“ Wobei der Eindruck, man ziele nur auf eine Rekrutierung für das Ordensleben, ganz entschieden vermieden werden soll. „Junge Menschen sind hier zu Recht sensibel“, sagt P. Bernhard. „Die Berufung zum mönchischen Leben kommt erst dann richtig zum Leuchten, wenn auch die Schönheit intimer Beziehungen, der verantwortete Umgang mit der Sexualität, das Gebetszeugnis christlicher Familien zur Sprache kommen.“ Deshalb war es auch wichtig, ein Angebot für junge Erwachsene anzubieten, um die Begegnungen mit der Kirche nach Taufe, Erstkommunion und Firmung weiterzuführen.

Treffpunkt als Netzwerk

Der Treffpunkt Benedikt sei eher ein Versuch, ein neues Netzwerk in bewusster Anbindung an den Ort und die Spiritualität des Stiftes Kremsmünster aufzubauen. Zu den Treffen kommen junge Erwachsene aus der näheren, aber auch aus der ferneren Umgebung. „Jedes Jahr geht ungefähr ein Fünftel unserer Besucherinnen und Besucher weg, um zum Beispiel zu studieren. Und ungefähr gleich viele kommen neu hinzu“, schätzt P. Bernhard. „Aber dennoch bleibt eine Verbindung bestehen. Einige kommen vielleicht nur mehr zum Sommercamp. Oder hören sich gelegentlich Vorträge via Internet an. Durch dieses neue vielschichtige Netzwerk sind wir mit jungen Menschen nachhaltig in Kontakt, für die das Stift Kremsmünster sonst ein bloßer Name geblieben wäre. Jetzt wird es von vielen als geistige Heimat erlebt.“ Durchschnittlich 150 Jugendliche pro Treffen Über den großen Erfolg war man selbst überrascht. Immerhin: Bis zu 150 Jugendliche nehmen im Laufe eines Samstagabends an dem Treffen teil. „Uns geht es darum, dass sie ihre eigene Berufung finden“, betont P. Bernhard. „Das muss nicht bedeuten, dass sie sich für einen Ordensberuf entscheiden. Das können wir auch gar nicht erzwingen. Wir können nur den Rahmen für eine solche Entscheidung schaffen.“ Wenn der Treffpunkt Benedikt dazu beitrage, die Berufung zur Ordensfrau oder zum Ordensmann klarer erkennbar zu machen, so wie es in der Vergangenheit tatsächlich schon geschehen ist, dann betrachte dies der Konvent als ein Geschenk. „Doch wenn der Treffpunkt Benedikt jungen Menschen hilft, Christus entschiedener nachzufolgen, so ist unser Ziel zu unserer Zufriedenheit voll erreicht.“

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Treffpunkt Benedikt im Stift Kremsmünster. Eucharistiefeier mit Abt Ambros Ebhart und P. Bernhard Eckerstorfer (rechts im Bild). Foto: Stift Kremsmünster

Quo Vadis? zeigt neue Möglichkeiten im Leben

Ähnlich sieht es auch Mag. Peter Bohynik, Leiter des Quo vadis? – Begegnung und Berufung im Zentrum am Wiener Stephansplatz, das von den Ordensgemeinschaften Österreich und dem Canisiuswerk ins Leben gerufen wurde. „Es ist eine wichtige Aufgabe der Orden, sich mit jungen Menschen auseinanderzusetzen, ihnen weiterzuhelfen und sie in ihrer Berufung zu unterstützen; das dürfen sie sich nicht aus der Hand nehmen lassen.“ Auch hier stehe weniger die Ordensrekrutierung im Mittelpunkt, als sie auf der Suche nach ihrem Lebensweg zu unterstützen. Die Workshops und die Orientierungstage im Quo vadis? richten sich daher mit ihrer thematischen Bandbreite bewusst auch an Schulklassen und FirmkandidatInnen. „Wir wollen Jugendlichen neue Erfahrungen und Orientierungshilfen im persönlichen, zwischenmenschlichen und religiösen Bereich anbieten“, sagt Mag. Bohynik. „Die Schülerinnen und Schüler können sich und die eigene Klassengemeinschaft besser kennenlernen.“ Man wolle helfen, bisher unentdeckte Möglichkeiten im Leben auf die Spur zu kommen, Tipps für Entscheidungen geben und Mut machen, Entscheidungen zu treffen. Wenn sich am Ende des Tages sogar ein Berufungsauftrag klarer herauskristallisiert, dann habe man sein Ziel mehr als erreicht.

Sammelbewegung schaffen

Wie kommt die Jugend nun zu den Orden? In der jüngsten Vergangenheit haben sich die verschiedenen Ordensgemeinschaften innovative Aktionen einfallen lassen, ihre Anschlussfähigkeit unter Beweis zu stellen. Es müssen nicht immer so große Veranstaltungen sein wie die NÖ Kindersommerfestspiele (NÖKISS) im Stift Herzogenburg. So gehen – um stellvertretend nur einige Beispiele zu nennen – die Salvatorianer mit ihrer Klosternacht, das Stift St. Lambrecht mit seinem Jugendhaus JuX oder das Stift Heiligenkreuz mit seiner Jugendvigil neue Wege. Das Fazit P. Bernhards vom Stift Kremsmünster lautet: „Wir wollen tun, was Kirche immer ausgezeichnet hat: eine Sammelbewegung schaffen. Genau das ist auch der Weg der Berufungspastoral von heute.“ Und eines dürfe man nicht vergessen: „Die Jugend kann von den Orden lernen. Aber umgekehrt ist es genauso!“ [rs] Papst Franziskus hat 2015 zum JAHR DER ORDEN ausgerufen. Das Themenjahr richtet sich vor allem an die Jugend, ihr soll die „Schönheit“ der Berufung vor Augen geführt werden. Gleichzeitig hob Franziskus auch die „Notwendigkeit des Engagements von jungen Menschen hervor“. Die Jugend lernt von den Orden – und umgekehrt. Treffpunkt Benedikt im Stift Kremsmünster. Eucharistiefeier mit Abt Ambros Ebhart und P. Bernhard Eckerstorfer (rechts im Bild). Foto: Stift Kremsmünster

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