Ökumenische Sommerakademie im Stift Kremsmünster: Gewalt im Namen Gottes

Kremsmünster 120„Wer ein Liederheft in der einen und eine Kerze in der anderen Hand hat, kann keinen Stein aufheben!“ Der evangelische Bischof Michael Bünker zitierte am 9. Juli 2014 bei der Eröffnung der Ökumenischen Sommerakademie im Stift Kremsmünster den kürzlich verstorbenen Pfarrer Christian Führer aus Leipzig, der mit dem Montaggebet in der Nikolaikirche vor 25 Jahren ein wesentliches Signal für den Fall der Mauer in Deutschland setzte. Die Ökumenische Sommerakademie steht unter dem Thema: „Gewalt im Namen Gottes – Die Verantwortung der Religionen für Krieg und Frieden.“

Ursachen für religiöse Gewalt in den monotheistischen Religionen sind nach Aussage des Philosophen Franz Josef Wetz der absolute Wahrheitsanspruch und der Missionsauftrag. So zeigt sich, dass für die Religionen beide Pole gelten: kriegerisch-menschenverachtend und friedlich-menschenfreundlich. Wobei er die Religionen nicht als Ursache von Gewalt sieht, sondern eher als Plattform, auf der das Gewaltbegehren ausgelebt und gerechtfertigt werden kann. Die Ursache der Gewalt liegt in der menschlichen Natur und ist zu 95% männlich.

Der Religionspädagoge Rolf Schieder sieht Gewalt und Macht durchaus positiv, sofern sich in der Ausübung die Mächtigen jemandem verantwortlich fühlen. Entgegenwirken muss man Religionen, die totalitär-fundamentalistisch, zu sehr apokalyptisch ausgerichtet sind und eine oberflächliche theologische Bildung an den Tag legen.

Bis 11. Juli dauert heuer noch die 16. Ökumenische Sommerakademie, die unter dem Gedenken des vor 100 Jahren begonnenen 1. Weltkriegs und seiner katastrophalen Folgen steht.

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Bild: Franz Haidinger, Bischofsvikar der Diözese Linz für die Orden, und P. Erhard Rauch, Generalsekretär der Superiorenkonferenz

[hw]