Sr. Consuelo Aguirre Martinez: Junge Menschen brauchen Bildung und Werte

2014 07 25 sr martinez 120Das zweite Impulsreferat auf der Fachtagung Weltkirche, die von 25. und 26. Juli im Benediktinerstift St. Lambach stattfand, hielt Sr. Consuelo Aguirre Martinez. Die Don Bosco-Schwester arbeitet seit 24 Jahren mit Jugendlichen in Maputsoe im Lesotho, einem Staat in Südafrika. Sie referierte über den Zusammenhang von fehlenden Bildungsmöglichkeiten und steigenden HIV-Raten.

Lesotho ist eine parlamentarische Monarchie, die inmitten der Republik Südafrika liegt und vollständig von seinem „Nachbarland“ umschlossen ist. Auf rund 30.000 Quadratkilometer leben rund zwei Mio. Einwohner, die zu 99 Prozent dem Volk der Besotho angehören. „Und die meisten leben unter der Armutsgrenze“, berichtet Sr. Consuelo Aguirre Martinez.

Problematik HIV

Die Direktorin des Berufsausbildungszentrums St. Mary Mazzarello Vocational Training Centre in Maputsoe kam vor 24 Jahren aus Mexiko nach Lesotho … und war über die Verhältnisse entsetzt. „Jede vierte Person trägt das HIV-Virus in sich. Man kann sagen, dass davon jeder Familie betroffen ist, den pro Familie ist zumindest ein Mitglied mit HIV infiziert.“ Lesotho gilt als das Land mit der dritthöchsten HIV-Rate weltweit.

Höchste Arbeitslosenquote

Doch das sei nur ein Teil des Teufelskreises, in dem sich das kleine südafrikanische Königreich befindet. Die hohe Sterblichkeitsrate mache sich auch in der Wirtschaft des Landes negativ bemerkbar – vor allem durch das Fehlen von Arbeitskräften und Professionisten. „Lesotho hat eine Arbeitslosenquote von fast 50 Prozent“, sagt Sr. Martinez. Das sei weltweit eine der höchsten. Die Folge: Das Land ist hoch verschuldet. Die größten Firmen befinden sich in ausländische Hände. Haupteinnahmequelle ist die Textilindustrie, in der vor allem Frauen Beschäftigung fnden – natürlich zu einem Hungerlohn. Arbeitsrechtverletzungen und sexuelle Übergriffe gehören zur Tagesordnung. Massenentlassungen sind keine Seltenheit, und „oft wird dabei vergessen, den Lohn des letzten Monats auszuzahlen“, erzählt die Salesianerin. Viele Männer suchen ihr Auskommen als Bergarbeiter im benachbarten Südafrika; doch auch sie können nur schlechtbezahlte Arbeit finden – wenn überhaupt.

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Hohe Analphabetenrate

Ein weiteres Puzzelteil in diesem verhängnisvollen Bild stellt die demografische Entwicklung der Bevölkerung dar. 58 Prozent der Bevölkerung ist unter 19 Jahre alt; viele davon sind sog. Aidswaisen, die ohne Familien aufwachsen. Doch für sie gebe es viel zu wenig und viel zu schlechte Schulen. Zwar gingen 98 Prozent der Kinder in eine Volksschule, die in Lesotho sieben Jahre dauere und auch gratis sei, doch nur 35 Prozent erreichen einen Highschool-Ausbildung und nur zwei Prozent eine Universitäts-Ausbildung. Der Besuch weiterführender Schulen ist kostenpflichtig und für die meisten Familien nicht leistbar. Dementsprechend hoch zeigt sich auch die Analphabetenrate; sie liegt bei ca. 15 Prozent.

Viele Frauen und Mädchen verdienen ihren Lebensunterhalt mit Prostitution, was wiederum das Risiko erhöhe, sich und andere mit HIV anzustecken. Oft würden auch viele Frauen vom eigenen Ehemann infiziert, der sich das HI-Virus bei Arbeitseinsätzen in südafrikanischen Minen eingehandelt hat und natürlich darüber schweigt. Zwar hätte die Regierung von Losotho vor fünf Jahren ein großes HIV/Aids-Programm gestartet, betont Sr. Martinez, doch besonders bei der Prävention seien die Anstrengungen nicht besonders erfolgreich gewesen. „Es wurden zwar viele Kondome verteilt, aber das hat keine Verhaltensänderung bewirkt.“

„Love matters“

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, entwickelte der Salesianerorden die Aktion "Love matters", die von allen Pfarren in Lesotho übernommen wurde. „Uns geht es darum, die Werteinstellung der Jugendlichen zu verändern“, sagt Sr. Martinez. „Wir vermitteln, dass der Körper ein Geschenk Gottes ist. Er verdient Respekt sich und anderen gegenüber. Das Um auf Auf sei wahre Liebe." Am Ende der Woche versprechen die Jugendlichen, mit Sex bis auf die Ehe zu warten. Die Ergebnisse betreffend Neuinfektionen seien jedenfalls „hervorragend“.

Mehr Bildung durch katholische Schulen

Zusätzlich hat die katholische Kirche ihr Engagement im Schulbereich wesentlich bestärkt; schon in der Vergangenheit standen viele Schulen unter katholischer Leitung. Zusätzlich wurde die Don Bosco-Projekt St. Luke's Mission unter der Leitung von Sr. Martinez ins Leben gerufen. Es bietet für rund 3.000 Kinder ein Bildungsangebot vom Vorschulniveau bis zur Berufsausbildung. Das Hauptaugenmerk liegt bei Aidswaisen, Schulabbrecher und sozial gefährdeten Jugendlichen. Unterstützt wird das Programm des Ordens u.a. vom österreichischen Hilfswerk "Jugend Eine Welt" sowie von freiwilligen Jugendlichen des Vereins "Volontariat bewegt". Sr. Martinez: „Ich träume davon, eine Generation zu erleben, die sich nicht mehr vorrangig mit HIV beschäftigen muss.“

[rs]