P. Erhard Rauch: Wir müssen Räume suchen, um die Jugend zum Fragestellen zu ermutigen

2014 07 30 p erhard 120Am zweiten und letzten Tag der Fachtagung Weltkirche, die vom 25. bis 26. Juli im oberösterreichischen Stift Lambach stattfand, stand eine „Reise durch die kirchlichen Jugendlandschaften Österreichs“ im Mittelpunkt. In Workshops stellten sich sechs verschiedene Jugendorganisationen vor und präsentierten ihre Projekte, ihre Arbeit, ihr Arbeitsumfeld und ihre Spiritualität. Die Tagung fand ihren Schlusspunkt in einem Appell zur Schaffung von Freiräumen für jugendliches Engagement.

Die Superiorenkonferenz der Ordensgemeinschaften Österreich war Mitorganisator der Fachtagung Weltkirche. Ihr Generalsekretär, P. Erhard Rauch, zog am Ende der Fachtagung positive Bilanz: Man habe zum Beispiel mit dem von den Steyler Missionaren angebotenen Volontärs-Programm "Missionar auf Zeit" äußerst gute Erfahrungen gemacht. Die Jugendlichen engagierten sich in einer fremden Kultur, würden so gefordert und kämen ganz neu zurück. Die Frage sei allerdings, ob man wirklich so weit gehen muss „oder nicht auch in Österreich Räume schafft, in denen volles Engagement möglich ist". Der Kirche gelinge es zu wenig, „Jugendlichen Raum für avantgardistisches Weitergehen zu geben. Wir wollen gerne eine brave Jugend, die nichts kaputtmacht und keine Unordnung stiftet.“

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P. Erhard Rauch: Was erwarten Jugendliche von uns?

Noch lernen müsse die Kirche in den Augen Rauchs besonders das Zuhören. "Wir Priester haben als Verkünder das Wort, doch zur Verkündigung gehört auch das Hinhören, um die eigene Meinung und Einstellung zu korrigieren. Wir müssen Räume suchen, um die Jugendlichen zum eigenen Fragenstellen zu ermutigen.“ Allerdings erlebe er, dass die Kirche in Europa - im Gegensatz zu Lateinamerika - kaum gefragt werde, so der Ordensmann. "Vielleicht erwarten Jugendliche nichts von uns, oder sie wissen gar nicht, wofür wir stehen." Eine Wende habe hier allerdings der Papst gebracht. "Er sorgt für eine neue Erwartungshaltung - und spürt dies auch selbst."

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Sechs Jugendorganisationen stellen sich vor

Welch gute Arbeit Jugendliche in der Kirche leisten, davon konnte man sich in verschiedenen Workshops überzeugen. Sechs Jugendorganisationen, die Katholische Jugend, die Loretto-Gemeinschaft, der Verein "Volontariat bewegt", "youngCaritas", das "Weltdorf St. Gabriel" und "Missionar auf Zeit" (MAZ) stellten sich und ihre Projekte, ihre Arbeit, ihr Arbeitsumfeld und ihre Spiritualität vor. Stellvertretend für alle bezeichnete Sr. Consuelo Aguirre Martinez, Leiterin eines Don-Bosco-Bildungsprogramms in Lesotho, die freiwilligen jungen Leute, die von "Volontariat bewegt" in ihrem Zentrum mitarbeiten, als "großes Geschenk". Und: "Ihr Zeugnis bewegt die Menschen.“

Das Resümee zog der Steyler-Pater Christian Tauchner, einer der Programmverantwortlichen der Fachtagung. Die Jugend sei "ein riesiger Schatz, für den die Kirche die Tür so weit aufmachen muss, dass er sich einfinden und einbringen kann". Den Schwerpunkt der von den Missionsorden und den kirchlichen Entwicklungsorganisationen ausgerichteten Fachtagung bildeten kirchliche Friedensinitiativen für Jugendliche in Gewaltkontexten. "Wir haben gesehen, wie viel passieren kann, wenn man Jugendlichen Freiräume gibt und sie zur Mitgestaltung einlädt", sagte P. Tauchner.

[rs]