P. Erhard Rauch: Renaissance der "Spiritualität mit allen Sinnen"

2014 09 17 p erhard 120Eine Renaissance der "Spiritualität mit allen Sinnen" ortet P. Erhard Rauch, Generalsekretär der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs. Ausformungen des Glaubens, die die Körperlichkeit miteinbeziehen, wie beispielsweise das Pilgern oder die Liturgie, würden sich in den letzten Jahren besonders unter jungen Menschen großer Beliebtheit erfreuen, sagte P. Rauch.

Er äußerte sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema "Körperbilder in unterschiedlichen Religionen und Konfessionen". Die Veranstaltung am Montagabend im Wiener Radiokulturhaus war der Auftakt der diesjährigen Evangelischen Woche. Diese steht heuer unter dem Motto "Öffnet Türen und suchet der Stadt Bestes" und wird von der Evangelischen Akademie veranstaltet.

Mit P. Rauch diskutierten am Podium Walter Gösele, wirtschaftlicher Kirchenrat der evangelischen Kirche, die muslimische Religionspädagogin Amena Shakir, Sarah Sint vom Forum für Weltreligionen sowie der Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft, Gerhard Weißgrab.

Kirchenrat Gösele bedauerte, dass das Körperliche im Gebet oder der Liturgie in der evangelischen Tradition keine große Rolle spiele. Hier könne man sich von anderen Religionen oder Konfessionen "einiges abschauen". Gleichzeitig verwies der Kirchenrat darauf, dass sich auch die evangelische Kirche, beispielsweise mit dem Pilgerprojekt "Weg des Buches", für Formen der körperlichen Spiritualität öffne.

Der muslimische Glaube sei prinzipiell körperlich geprägt, das würde sich beispielsweise schon bei der Gebetspraxis oder auch der verpflichtenden Pilgerfahrt nach Mekka äußern, sagte Religionspädagogin Shakir. Körperliches und Geistiges seien im Islam stark miteinander verschränkt.

Auch die Jüdin Sarah Sint sah in ihrer Religion einen starken Konnex zwischen Spiritualität und Körperlichkeit. Dies würde sich bei den verschiedenen Gebetsformen zeigen.

Für den Buddhisten-Vertreter Weißgrab ist der Körper alleine "nichts Besonderes", erst als Einheit mit dem Geist würde er bedeutsam werden. Trotzdem sei beispielsweise die Körperbetrachtung essenzieller Bestandteil der buddhistischen Lehre, so der Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft.

Die Evangelische Woche läuft noch bis einschließlich Sonntag und wartet mit einem vielfältigen Programm an unterschiedlichen Orten in ganz Wien auf. (Infos: www.evang-akademie.at.)

 [rs]