P. Lorenz Voith: Orden müssen anecken

2015 06 01 disk anecken 120Im Rahmen der "Langen Nacht der Kirchen" diskutierten Sr. Maria Judith Tappeiner, Vorsitzende der Ordenskonferenz der Frauenorden der Diözesen Wien und Eisenstadt, mit P. Lorenz Voith, Vorsitzender der Wiener Superiorenkonferenz der Männerorden, und dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios Kardamakis am 29. Mai 2015 in der Kirche Maria am Gestade über die Rolle der Orden in der Ost- und Westkirche.

An die Aufgabe der Orden, in Kirche und Gesellschaft ihren Charismen entsprechend Akzente zu setzen, hat der Vorsitzender der Wiener Superiorenkonferenz der Männerorden, P. Lorenz Voith, erinnert. Das könne aber auch bedeuten "anzuecken", so der Redemptorist bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der "Langen Nacht der Kirchen" in Wien. In dieser Forderung liege zugleich auch eine Antwort auf die Überalterung und den Mitgliederschwund in vielen Gemeinschaften. "Dort, wo wir Antworten auf soziale oder spirituelle Fragen geben, dort werden wir auch neue Mitglieder bekommen."

Als besondere Chance für die Orden, ihre Rolle in der Gesellschaft zu überdenken und neu auszurichten, sah Voith das von Papst Franziskus für 2015 ausgerufene JAHR DER ORDEN. Das bedeute nicht, "dort Löcher zu stopfen, wo gerade Not am Mann ist, sondern hinauszugehen zu den Rändern der Gesellschaft, wo die anderen nicht sind. Wir müssen neu überlegen, vielleicht noch progressiver werden, indem wir Anwalt für diese Menschen werden. Wir sind manchmal zu angepasst, zu brav. Das ist ein Fehler", so Voith wörtlich.

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Am 29. Mai 2015 war die Rolle der Orden in der Ost- und Westkirche Inhalt einer Podiumsdiskussion. V.l.n.r.: Sr. Maria Judith Tappeiner, Dr. Dominik Orieschnig,. Orieschnig (Moderation), Metropolit Arsenios Kardamakis und P. Lorenz Voith.
(c) Redemptoristen

Lebensform hat nichts an Bedeutung verloren

Mitgliederschwund und Überalterung seien Realität in den Orden, an ihrer Bedeutung habe diese Lebensform trotzdem nichts verloren, zeigte sich der Redemptorist überzeugt, der seit wenigen Tagen auch Bischofsvikar für die Orden in der Diözese Eisenstadt ist. Die Gemeinschaften hätten diese Herausforderung angenommen und neue Formen des Gemeinschaftswesens und des Apostolats entdeckt. Eine "bessere Lebensform als etwa die Ehe" sei das Ordensleben aber nicht, so Voith: "Wir sollen das nicht gegeneinander ausspielen. Dass es ein Ordensleben weiterhin geben soll, dass es sinnvoll und ein großer Schatz für die Kirche ist, steht außer Frage."

Weltweit gibt es rund 200.000 Ordensmänner, rund 2.000 davon leben und wirken in Österreich. 140.000 der weltweit rund 415.000 Priester sind Ordenspriester. In der Erzdiözese Wien wirken und leben 520 Ordenspriester. Für Voith sind die Ordensgemeinschaften einer der beiden "Lungenflügel" der Kirche.

Orden brauchen mehr Vernetzung

Einen positiven Ausblick auf die Zukunft der heimischen Orden trotz Überalterung und Mitgliederschwund gab auch Sr. Maria Judith Tappeiner von der Caritas Socialis. Die Ordensgemeinschaften seien keine "abgeschalteten Kraftwerke"; ihr Weiterbestehen hänge nicht nur von der Anzahl ihrer Mitglieder ab, sondern vom Engagement eines jeden Einzelnen. Die Überalterung in vielen Gemeinschaften sah Tappeiner auch als Chance. Gerade in Wien, wo viele alte Menschen lebten, könnten ältere Ordensfrauen ein Beispiel dafür abgeben, wie man im Alter erfüllt und zufrieden lebt.

Künftig brauche es aber mehr Vernetzung. "Es wird nicht mehr reichen, dass jede Gemeinschaft ihr eigenes Süppchen kocht", so die Ordensfrau. Weltweit gibt es 700.000 Ordensfrauen. Das zeige, wie vielfältig und verschieden Orden sind. In Österreich gibt es 105 Frauengemeinschaften mit rund 3.700 Schwestern. Mit ihren Werken machten die Gemeinschaften auch einen wichtigen Wirtschaftsfaktor aus. In Pflegeheimen, Krankenhäusern, Schulen oder Hospizen stellten sie viele Arbeitsplätze zur Verfügung, unterstrich Sr. Tappeiner.

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Die Podiumsdikussion fand im Rahmen der "Langen Nacht der Kirchen" in der Kirche Maria am Gestade statt
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Mönchstum ist lautstarke Gegenposition

Die Spiritualität des orthodoxen Mönchtums und dessen mögliche positive Impulse für Europa hat der griechisch-orthodoxe Metropolit von Österreich, Arsenios Kardamakis, hervorgehoben. In einem Europa, das immer mehr zur bloßen Wirtschaftsunion wird, brauche es ein Christen- und Mönchtum, das "lautstark" eine Gegenposition vertritt, so der Metropolit. Denn die Krise in Europa sei auch eine "spirituelle Krise". Europa entledige sich immer mehr seiner christlichen Wurzeln und verliere die "eschatologische Perspektive, die auf eine Rettung durch Gott hofft".

[rs]