Erklärung der Fachtagung Weltkirche 2015

2015 07 26 weltkirche 120Sowohl der erste als auch der zweite Tag der Fachtagung Weltkirche 2015, die am 24. und 25. Juli im Stift Lambach stattfand, endeten mit zwei ergänzend formulierten Statements. Gemeinsam ist ihnen: Sie drücken Betroffenheit, vor allem aber Hoffnung und Zuversicht aus. Beide Statements werden hier wortwörtlich wiedergegeben.

Das erste Statement gab Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs und in dieser Funktion eine der MitveranstalterInnen der Fachtagung, ab. Sie wurde Freitagabend gebeten, ihre Eindrücke wiederzugeben, und sie wählte einen sehr persönlichen Zugang:

"Ich werde die Tagung anders verlassen als ich gekommen bin.
Herr Lakitsch, ich habe neue Einsichten bekommen und neue Wörter gelernt.
Sr. Luma, ich habe keine Sprache, um auf Sie zu reagieren. Ich sage einfach danke. Aber ich schäme mich zu sagen, dass auch bei uns in Österreich, jetzt, heute, auch diese Nacht, Flüchtlinge auf der nackten Erde liegen und in Zelten oder in Containern.
Abbe Philippe, ich weiß nur, dass ich nichts weiß. Und ich merke mir, man muss die Wahrheit raussagen und keine Angst haben. Und ich nehme mit: Entwaffnung der Herzen, Leben pflanzen, die Kraft zu verzeihen und zur Versöhnung. Und ganz viel Solidarität hinschicken zu den 400 Erstkommunionskindern und den 10.000 Kindersoldaten."

Erklärung der Fachtagung Weltkirche 2015

Am zweiten Tag formulierte ein Komitee unter den Eindrücken vor allem der Referate und Berichte von Sr. Luma Khudher und Abbe Philippe eine Erklärung. Der Text dazu lautet:

 Die Fachtagung hat sich mit dem Thema „Selig, die Frieden stiften. Kirchliches Engagement gegen Gewalt und Krieg“ befasst. Die 120 in der Friedensarbeit engagierten TeilnehmerInnen machen auf Basis der Berichte und der persönlichen Begegnung mit betroffenen FriedensaktivistInnen und AugenzeugInnen aus den Krisengebieten Zentralafrikanischen Republik und Irak mit neuer Dringlichkeit auf folgende Themen und Hintergründe aufmerksam:

• Es ist auch in Krisenzeiten die Aufgabe des Staates, die Sicherheit seiner BürgerInnen zu gewährleisten. Dies betrifft insbesondere auch den Schutz von Minderheiten.
• Lokale und nationale Konflikte haben meist geopolitische und weltwirtschaftliche Dimensionen. Die internationale Sicherung von Ressourcen und Absatzmärkten spielt dabei eine wesentliche Rolle. Vor allem geht es um Bergbau, Förderung fossiler Energieträger, Waffenhandel, agroindustrielle Landnutzung und Zugang zu Wasser. Interventionen aufgrund wirtschaftlicher und politischer Interessen verursachen und schüren Konflikte.
• Die Befriedung von Grundbedürfnissen ist die Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden und darum auch unabdingbares Element von Friedensprozessen.
• Religion wird in Konflikten oftmals instrumentalisiert, um wahre Ursachen zu verschleiern UnterstützerInnen zu mobilisieren. In weiterer Folge kann die pseudo-religiöse Motivation zu einem eigenständigen Treiber von Konflikten werden, obwohl sich offizielle VertreterInnen der Religionen dagegen positionieren.
• Religionen stehen im Dienst des Friedens und leisten zentrale Beiträge in der Versöhnungsarbeit und in der humanitären Hilfe. Die langfristige Präsenz vor Ort und mit den betroffenen Menschen sowie die internationale Vernetzung ermöglichen es Religionsgemeinschaften in Friedensprozessen wirksam tätig zu sein.
• Der christliche Glaube, dass das Leben letztendlich stärker als der Tod und dass kein Mensch aus der Liebe Gottes herausfallen wird, ermöglicht es, die Hoffnung nicht zu verlieren und Schritte der Vergebung zu setzen.

Wir appellieren an die Bundesregierung und insbesondere an Außenminister Sebastian Kurz, sich innerhalb der Europäischen Union und bei den Vereinten Nationen für den Schutz der Bevölkerung in Krisenregionen, insbesondere in der Zentralafrikanischen Republik und im Irak, einzusetzen.

Wir appellieren an die Bundesregierung und insbesondere an Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, sich innerhalb der Europäischen Union und bei den Vereinten Nationen gegen konfliktschürende Wirtschaftspraktiken und gegen Menschenrechtsverletzung durch Unternehmen einzusetzen.

Wir appellieren an die EntscheidungsträgerInnen in österreichischen Wirtschaftsunternehmen, ihre Tätigkeit auf konfliktfördernde Auswirkungen zu prüfen und auf diese Praktiken zu verzichten.

Wir appellieren an die österreichischen Bischöfe, sich öffentlich für friedensbildende Maßnahmen, insbesondere in der in der Zentralafrikanischen Republik und im Irak, einzusetzen und bei Politik und Wirtschaft klar gegen konfliktfördernde Praktiken und Strukturen aufzutreten.

Wir, die VeranstalterInnen der Fachtagung, verpflichten uns, in unserer Projekt- und Programmarbeit, unsere Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie in unseren anwaltschaftlichen Aktivitäten diese Themen und ihre Hintergründe verstärkt aufzugreifen und entsprechende Ressourcen dafür zur Verfügung zu stellen. Wir appellieren an die teilnehmenden Ordensgemeinschaften, Organisationen und Hilfswerke ebenso in diesem Sinne tätig zu werden.

[rs]