Von wachem Leben und utopischen Idealen

Ilija Trojanow ist Weltbürger und Autor. Für die Ordensgemeinschaften hat er sich im Video-Interview mit den 4 Dimensionen eines #wachen Lebens auseinandergesetzt. So löst er einen horrenden Trugschluss unserer Zeit auf, eröffnet, warum utopische Ideale Gottsuche sind, zeigt auf, dass Wachheit auch Opferbereitschaft sein kann und wie sehr Interreligiosität faszinieren kann.

 

Der Autor Ilija Trojanow setzt sich für die Ordensgemeinschaften mit den 4 Dimensionen von #wachem Leben auseinander (c) magdalena schauer

„Im #wach-Jahr wollen wir Stimmen aus der Ordenswelt zu Wort kommen lassen. In besonderer Weise wollen wir aber auf die Inspiration von außerhalb der Ordenswelt wie beispielsweise den Schriftsteller und Weltbürger Ilija Trojanow nicht verzichten“, erläutert der Leiter des Bereiches Medien und Kommunikation Ferdinand Kaineder: „Ein wacher Umgang mit und in der Welt ist ein Gebot der Stunde.“

Wach leben heißt Suche und Orientierung an ultimativen utopischen Idealen

Wenn man den Schriftsteller frägt, was waches Leben für ihn bedeutet, verbindet er es mit Utopie. Genauer mit Erträumungen und Ersehnungen, die man in den Alltag hineinzieht. Er verweist auf ein Mantra von Mahatma Gandhi, das sagt: „Gott, dein Name ist Wahrheit“. So bedeutet wach zu leben also, sich an ultimativen utopischen Idealen zu orientieren, die sich übersetzen lassen aufgrund der Tatsache, dass sie uns zu einer Suche motivieren. Diese Suche ist die Wachheit im Leben.

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Selbstoptimierung ohne Andere als horrender Trugschluss

Die beste Form einer wachen Kooperation findet Ilija Trojanow in solidarischem Miteinander, also in gegenseitiger Hilfe und Wissensaustausch. Der bestmögliche Zusammenschluss sei einer von Menschen, die einen gemeinsamen Rahmen an Überzeugungen, Idealen, Aufbrüchen und Sehnsüchten teilen. „Der horrende Trugschluss unserer Zeit ist die Pathologisierung unserer Gegenwart. Wir meinen, ein Individuum könne sich selbst optimieren ohne Begegnung und Austausch mit anderen. Das ist krankhaft“, bringt es der Autor auf den Punkt.

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Systemkritiker mit Opferbereitschaft

Als Inbegriff einer wachen Person, ja, einer gelebten Wachheit sieht Trojanow seinen Onkel. Dieser hat in jungen Jahren die Stalinstatue in Sofia gesprengt und wurde dafür mit langen Jahren Einzelhaft bestraft. Von ihm hat Trojanow gelernt, dass es Ideale und Überzeugungen gibt, die größer sind als man selbst. Sein Onkel war bereit, sich für seinen Kampf gegen Diktatur, Kommunismus, gegen Unterdrückung und für die Freiheit des Individuums zu opfern. Noch heute sei sein Onkel jemand, der jeden Tag auf der Suche ist, das Existierende hinterfragt, sich selbst in Frage stellt und immer mit einem Fuß im Utopischen lebt.

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Ilija Trojanow im Interview mit Ferdinand Kaineder vom Medienbüro der Ordensgemeinschaften Österreich (c) magdalena schauer 

Wachheit aus einem Zusammenfließen von Religionen

Die wachsten Orte sind für Trojanow jene, an denen sich Religionen treffen und ineinanderfließen. Schon seine Taufkirche hatte eine besondere Historie: So war sie zuerst Kirche, dann Moschee und dann wieder Kirche. Den Höhepunkt wacher Ortserfahrung aber machte er in Kaschmir: „Kaschmir hat eine unglaublich faszinierende Geschichte, weil dort wirklich ein Zusammenschließen aller Religionen stattfand und sich eine besondere Kultur der spirituellen Wachheit erhalten hat. Es gibt Orte, die etwas unglaublich Aufgeladenes ausstrahlen, das ich nicht in Worte fassen kann.“

Was hält Sie wach? Wen empfinden Sie als wach? Unter www.ordensgemeinschaften.at/weg stehen Formulare für Ihre Gedanken bereit.

Wenn Sie sich weiter inspirieren lassen wollen, besuchen Sie unsere Youtube-Playlist zum Thema #wach. Hier finden Sie beispielsweise auch Auseinandersetzungen von Sr. Katharina Kluitmann, der Vorsitzenden der Deutschen Ordensobernkonferenz, Sr. Martha Zechmeister, Professorin für Systematische Theologie in San Salvador und Radoslaw Celewicz, Künstler und Seelsorger in Wien und Polen.

Pressefoto zum Download (c) magdalena schauer

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