Initiative für Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche

50 Frauen, darunter Frauenorden-Generalsekretärin Sr. Cordis Feuerstein, machen sich in den 50 Tagen zwischen Ostern und Pfingsten stark für die Gleichstellung von Frauen in der katholischen Kirche. Mittels der Initiatvie "bleiben.erheben.wandeln" werden täglich Blog-Einträge gepostet, um die "Geschlechtergerechtigkeit in unserer Kirche zu verwirklichen". Wie "ein kritischen Blick auf die Ist-Situation der katholischen Kirche" zeige, sei die geforderte Gleichstellung noch nicht erreicht, die der Apostel Paulus in seinem Galaterbrief als Vision wie folgt formulierte: "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus."

50tage
Getragen wird die Initiative von einer Gruppe junger Theologinnen aus Tirol, unterstützt wird sie vom Frauenreferat der Diözese Innsbruck und auch prominenten Katholikinnen, die für die kommenden Tage Blog-Einträge zugesagt haben - darunter Magdalena Holztrattner, die Leiterin der Katholischen Sozialakademie, Anna Findl-Ludescher, die geschäftsführende Vorsitzende des Österreichischen Pastoralinstituts oder Angelika Walser, Moraltheologieprofessorin an der Uni Salzburg. Auch Frauen aus Deutschland, der Schweiz, Südtirol und sogar Lateinamerika hätten Beiträge zugesagt, kündigte Angelika Ritter-Grepl vom Innsbrucker Frauenreferat am Dienstag an.

Anders als viele andere Frauen wollen die Initiatorinnen die Kirche nicht verlassen: "Wir Frauen von bleiben.erheben.wandeln sind in der katholischen Kirche stark verwurzelt und erleben sie als Teil unserer Identität", heißt es unter dem Stichwort "bleiben". Wie Ritter-Grepl mitteilte, stünden kirchlich beheimatete Feministinnen oft unter Rechtfertigungsdruck, warum sie überhaupt noch in dieser "Männerkirche" verbleiben. Auch darauf sollen die Beiträge eine Antwort geben.

Explizit tut dies Regina Augustin, Generalsekretärin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) in ihrem Blog am Dienstag: Die katholische Kirche sei zwar in ihrem heutigen Erscheinungsbild "ein patriarchal hierarchisch geordnetes System", ein genauer Blick in die Texte der Heiligen Schrift verrate jedoch, "dass da noch mehr steht und sogar eine andere Denkweise einfordert". Augustin erwähnte die in den Anfängen der Kirche so wichtigen Apostelinnen: Um Jesus habe sich ein Kreis von Männern und auch Frauen versammelt, die beauftragt worden seien, das Evangelium zu verkünden - nach den Worten der kfbö-Vertreterin ein ganz deutlicher Bruch mit bestehenden Kategorien in der antiken Lebenswelt.

"Wandel ist Tradition der Kirche"

Gleichberechtigung halten die beteiligten Frauen an "bleiben.erheben.wandeln" demgemäß für möglich, denn: "Wandel ist Tradition der Kirche", wie es auf der Website heißt. Dabei wird auch auf die theologisch fundierte Anthropologie der Gleichheit verwiesen - beide Geschlechter seien Ebenbild Gottes. Das mache die Kirche eigentlich zur "Vorreiterin in der Welt für die Gleichstellung der Geschlechter".

Dem sollten heutige Kirchenstrukturen entsprechen. Die Vision dazu: "Unterschiedliche Leitungsfunktionen sind gerecht zwischen Männern und Frauen verteilt, nach Qualifikation, unabhängig von Geschlecht und nicht zwingend an ein Weiheamt gebunden." Und: "Weiheämter werden von Frauen und Männern als Dienst am Heil der Menschen und an der Gemeinschaft ausgeübt. Eine zölibatäre Lebensform ist dazu nicht zwingend erforderlich."

"Ist das noch katholisch?", lautet eine der auf der Website aufgelisteten FAQ (häufig gestellten Fragen): Ja, betonen die Betreiberinnen. "Wir sind und bleiben mit Herz und Seele katholisch. Die Wandlung ist Mitte und Höhepunkt unseres Glaubens."     

 

[mschauer]