Amazoniensynode: Jesuit Hagenkord warnt vor zu hohen Erwartungen

Der bisheriger Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Vatican News, Jesuit P. Bernd Hagenkord, warnt in einem Interview (25.6.2019) mit der Kooperationsredaktion österreichischer Kirchenzeitungen davor, in der im Herbst bevorstehenden Amazonien-Synode Probleme der Kirche in Europa und Nordamerika wie etwa den Wunsch nach verheirateten Priestern zu thematisieren. Dies werde nur zu großen Enttäuschungen führen. Die Diskussion rein europäischer Fragen wie Sexualmoral, Macht und Autorität wird in Amazonien als "neuer Kolonialismus" gesehen.

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(c) Ordensgemeinschaften Österreich

Bei der Bischofsversammlung werde es um Maßnahmen für die Menschen in Amazonien gehen und nicht um die Frage, ob der Zölibat abgeschafft werde oder nicht. Das vor kurzem veröffentlichte Arbeitsdokument für die Synode sei bei Fragen hinsichtlich einer möglichen Priesterweihe für ältere, verheiratete Familienväter "sehr zurückhaltend und zielt auf ganz konkrete Situationen ab", so der Vatikan-Experte. Außerdem habe Papst Franziskus verlautbaren lassen, dass es unter seinem Pontifikat keine generelle Abschaffung des Zölibats oder eine Lösung mit Wahlmöglichkeit geben werde.

Der Priestermangel in Amazonien sieht anders aus als in Europa - diesen Eindruck nahm Bernd Hagenkord von einer kürzlich absolvierten Reise durch Brasilien mit. Die von ihm besuchte Diözese sei so groß wie halb Deutschland, dennoch verfüge sie gerade einmal über 21 Priester. "Wenn auf der Synode über den Zugang der Menschen zur Eucharistie debattiert wird, dann vor dem Hintergrund in Amazonien. Wir können in dieser Diskussion nicht unsere europäischen Fragen wie Sexualmoral, Macht und Autorität diskutieren." In Amazonien werde dies bereits als "neuer Kolonialismus" aufgefasst. Wichtig sei es vor allem, "zuerst den Menschen, für die diese Synode bestimmt ist, zuzuhören." Erst dann könne man doie eigenen Probleme angehen. Auswirkungen jenseits von Amazonien könnte die Kirchenversammlung durchaus haben "und das ist auch so gewollt", schließlich spreche ja auch das Synoden-Arbeitspapier von einem "Testcharakter". "Das heißt, was hier mit dem regionalen Blick besprochen wird, muss nicht regional bleiben", betonte der Ordensmann.

Vermeiden sollte man dabei ein "Gleichmachen", denn "die indigenen Völker in Amazonien leben ganz anders als wir und haben andere Vorstellungen von Zukunft und Wohlstand". Eine zweite Gefahr sei, die Themen Amazoniens als exotisch und für Europa belanglos abzutun: "Diese Menschen leben in Kontakt mit uns und vor allem zerstört unsere Welt ihre Welt."

Vorwürfe gegen Papst Franziskus, er rede bloß von Kirchenreform ohne etwas zu tun, hält Hagenkord für unangebracht. Für manchje Dinge brauche es "eine Haltungsänderung, weil sie die Menschen selbst wollen müssen. Daran arbeitet der Papst, indem er versucht, Menschen aufzurütteln und zu motivieren."

Dazu ein Tipp: Von 19. bis 20. Juli 2019 findet im Bildungshaus Schloss Puchberg die weltkirche.tagung 2019 statt. Die Tagung befasst sich unter dem Titel "AMAZONIEN - spirituell Wandel gestalten" mit der Amazoniensynode.

Der Jesuit Bernd Hagenkord (Jg. 1968) übernahm mit 1. Oktober 2009 die Leitung der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatikan. Er leitete die Redaktion während des Übergangs von Radio Vatikan zu Vatican News. Im Juni 2019 wurde bekannt, dass er die Redaktion Ende August 2019 verlassen wird.
Am 2. Dezember 2015 war er zu Gast beim 2. Medientag der Ordensgemeinschaften Österreich. Seinen Impulsvortrag hielt er zum Them: Franziskus zeigt die Entwicklung der Kirche von morgen.

[rsonnleitner]