Der Bote ist die Botschaft

Die Tagung der katholischen-Volksschulen in Seggauberg sensibilisierte für neue Führungsmethoden und den Blick hinein in das Zentrum des Glaubens: die Botschaft Jesus Christus. Zwischen 11. und 13. November 2019 tagten die Direktorinnen und Direktoren der Volksschulen in kirchlicher Trägerschaft im herbstlichen Schloss Seggau. Rudolf Luftensteiner, Bildungsreferent der Ordensgemeinschaften Österreich begrüßte als Organisator und Andrea Kager-Schwar als Direktorin des bischöflichen Mensalgutes Schloss Seggau die aus ganz Österreich angereisten PädagogInnen.

 direktorentagung

Führungsmethoden die sich auf die Botschaft und das Zentrum des Glaubens fokussieren waren Fokus der Tagung in Seggauberg (c) Clemens Paulovics

Liebe deinen Nächsten

Luftensteiner erinnerte an die hebräische Urfassung des Gebotes zur Nächstenliebe: „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie dich selbst, denn er ist wie du.“ Es gehe eben nicht darum „mit sich selbst im Reinen“ zu sein und dann erst den Nächsten zu lieben, sondern um ein „sowohl-als auch“. Gefragt ist daher die Authentizität als Christen, besonders in der Funktion als PädagogInnen, so Luftensteiner.

Horizontale Autorität

Stefan Ofner vom Institut für neue Autorität (INA) referierte im ersten Workshop über das Konzept einer horizontalen Autorität. Es bestehe schon in der Herkunft des Wortes „Autorität“, lateinisch „auctoritas“ vom Wortstamm augere – vermehren ein Unterschied zur „potestas“ – Macht. Das Konzept fußt auf den israelischen Psychologen Haim Omer. Im Workshop wurden zuerst zwei Fragen ausgetauscht: „Worauf bin ich in meiner Schule stolz?“ und „Was sind in meiner Schule die größten Herausforderungen?“ Stolz sei man auf „Herzensbildung“ und dass in Krisenzeiten das Kollegium zueinander stehe. Herausforderungen seien Fluktuationen im Team als auch die Schere von sozialen Fähigkeiten.

Die sieben Säulen der Autorität, vorgestellt von Ofner: sind Präsenz, als wachsame Sorge, die Selbstkontrolle und Esakalationsvorbeugung, ein Unterstützungsnetzwerk und Bündnisse, Protest und gewaltloser Widerstand, Gesten der Wertschätzung und der Versöhnung, Transparenz und partielle Öffentlichkeit, wie auch Wiedergutmachungsprozesse.

Kooperation statt Eskalation

Anhand vieler lebendiger Beispiele aus dem Schulalltag wurde die neue Autorität als Führungsstil, der bewusst auf Kooperation statt Eskalation setzt, vorgestellt. Am Abend wurde zu einem Kamingespräch mit dem Leiter des Ressorts Bildung der Diözese Graz-Seckau, Walter Prügger, geladen. Prügger berichtete über einige Initiativen der steirischen Diözese, wie dem Bau eines gemeinsamen Bildungs- und Kulturcampus.

Der Bote ist die Botschaft- Vallender Emmausgang

P. Hubert Lenz SAC, Leiter der WeG Initiative in Vallendar, stellte seinem Workshop am 12. November den Vallendarer Emmausweg vor. „Für eine Schule in kirchlicher Trägerschaft sind wir die Boten des Evangeliums“, stellte Lenz eingangs fest. Es gehe nicht darum perfekt zu sein, denn schon der Apostel Petrus hatte die Größe zuzugeben nicht perfekt zu sein. Eine Eigenschaft die Lenz auch bei Papst Franziskus bewundere. Der Workshop stellte die Arbeit an einer eigenen Botschaft voran. Für Lenz folgte in einem zweiten Schritt die Vorstellung der Grundbotschaft des Christlichen Glaubens. Sie drücke sich bildlich in den sich fast berührenden Fingern Adams und Gottes in der Sixtinischen Kapelle aus. Gott sei DA, er lädt zur Beziehung, zum „DU“ ein und Gott sage damit „JA“ zum Menschen.

Dieses Dreieck bilde das Grundgerüst. Um dieses Dreieck bildete Hubert Lenz den Vallendarer Emmausgang. Die Jünger gingen weg aus Jerusalem, geknickt von der Enttäuschung des Kreuzes: Vertrautes ist erschüttert. Als Jesus unerkannt zu Ihnen stößt und sie begleitet, nachfragt weshalb sie denn so erschüttert seien, wird bei den Jüngern die Sehnsucht neu geweckt. Jesus erzählt den Jüngern aus der Schrift und ihre Offenheit für das Wort Gottes wächst. Als Jesus weitergehen wollte, angekommen in Emmaus, drängen ihn die Jünger noch zu bleiben. Sie geben IHM Raum. Nachdem Jesus das Brot brach haben die Jünger IHN neu erkannt. Die Begegnung verwandelte sie und sie eilten noch in derselben Nacht zurück nach Jerusalem, um von der Erfahrung zu berichten:  Neuanfang ist möglich. Die Spirale die sich um das gemeinsame Brotbrechen und der Erfahrung des Kreuzes ergibt, sei wie ein Motor für die Botschaft als Bote unterwegs zu sein.

Am Mittwoch stand noch ein Besuchs- und Kulturtag am Programm. So besuchten die DirektorInnen die Volksschule Klara Fietz der Grazer Schulschwestern, das Franziskanerkloster und konnten noch bei einem Grazer Stadtbummel ihre Erfahrungen und Eindrücke austauschen.

[mgsellmann]