Salesianer-Provinzial Medhin in Österreich

P. Hailemariam Medhin, Provinzial der Salesianer Don Boscos in Äthiopien ist gemeinsam mit Br. Cesare Bullo, der seit zwanzig Jahren die Projekte von Jugend eine Welt vor Ort koordiniert auf Besuch in Österreich. Große Hoffnung setzt man auf den Ministerpräsidenten Abiy Ahmed, dem der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Denn "am wichtigsten ist der Frieden zwischen den Volksgruppen" betonte Nedhin. Dennoch sei der Weg aus der Krise in Äthiopien noch ein weiter. 

 

Landbau in Aethiopien landbau

Salesianer-Provinzial Medhin betont während seiner Österreich-Reise die Bedeutung des Friedens zwischen den Volksgruppen in Äthiopien (c) Österreichische Entwicklungszusammenarbeit

 

Die bedeutende Rolle des Friedens unterstrich Salesianer-Provinzial Nedhin vor dem Hintergrund der Tatsache, dass im Vielvölkerstaat 120 ethnische Gruppen mit einer Größe von mehreren Millionen bis zu wenigen Hundert leben, die 80 Sprachen sprechen und auch religiös eine bunte Landschaft bilden.

Positiv bewerteten die beiden Salesianer, dass die äthiopische Regierung zuletzt verstärkt Initiativen setzte, um dringend benötigte Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen - beispielsweise durch die Errichtung von Industriezonen und die Förderung von Unternehmensgründungen. Dennoch sei Äthiopien vom erklärten Ziel, ein Land mittleren Einkommens zu werden, noch meilenweit entfernt, die Kluft zwischen Arm und Reich werde sogar größer. 

Ein großes Problem ist laut Medhin auch der Klimawandel: "Etwa 80 Prozent unserer Bevölkerung leben von Landwirtschaft und Viehzucht. Es trifft sie hart, wenn die Niederschlagszeiten sich gravierend verschieben oder der Regen ganz ausbleibt." Das sei in den vergangenen Jahren immer wieder der Fall gewesen. Die arme Bevölkerung leide zudem daran, dass Grundnahrungsmittel immer teurer werden, beklagte , sagte P. Medhin. So habe sich der Preis von Mais seit Jahresbeginn in manchen Regionen mehr als verdoppelt.

Kampagne gegen Menschenhandel

Große Sorge macht den Salesianern auch das Problem des weit verbreiteten Menschenhandels. Äthiopien sei sowohl Ziel-, als auch Transit- und Ursprungsland illegaler Migration, insbesondere nach Saudi-Arabien und Südafrika. Im Rahmen der 2015 gestarteten Kampagne "Stopp dem Menschenhandel" erreichten die Salesianer mit Theateraufführungen, Schulworkshops und TV-Beiträgen mehr als zwei Millionen Menschen mit ihrer Warnung, nicht auf die lügnerischen Versprechen von Menschenhändlern hereinzufallen. Trotzdem gelinge es den geschickt mit Hoffnung spielenden Menschenhändler immer wieder, naiven Jugendlichen gute Verdienstmöglichkeiten im Ausland in Aussicht zu stellen. "Manchen erzählen sie sogar, dass Flugzeuge aus Europa kommen und sie in Libyen abholen würden", berichtete Cesare Bullo. "In Wirklichkeit erleben die meisten Migranten unsägliches Leid, Ausbeutung und Gewalt." 

Wichtigstes Anliegen der äthiopischen "Jugend Eine Welt"-Projektpartner ist es, jungen benachteiligten Menschen eine qualitätsvolle Berufsausbildung zu ermöglichen. "Es ist keine Lösung, das Land zu verlassen", ist Bullo überzeugt. "Viel besser ist es, hier zu bleiben und zu arbeiten. Und wenn sie unbedingt gehen wollen, sagen wir ihnen: geht zumindest nicht ohne Ausbildung."

Die Salesianer sind in Äthiopien derzeit in fünf Regionen präsent und betreiben u.a. sechs Berufsschulen, 13 Jugendzentren, 13 Volks- und Sekundärschulen sowie zwei Straßenkinderzentren. Der Bedarf sei riesig, hieß es in der "Jugend Eine Welt"-Aussendung: Rund 40 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. 

Zukunftspakt mit Afrika

Äthiopien ist auch ein Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (EZA). "Wir wünschen uns von der neuen Bundesregierung eine substanzielle Erhöhung des EZA-Budgets und auf europäischer Ebene den Einsatz für einen ambitionierten Zukunftspakt mit Afrika", so "Jugend Eine Welt"-Geschäftsführer Reinhard Heiserer. In Äthiopien seien Bildungs-, Ausbildungs- und Jobinitiativen ein Gebot der Stunde, um der jungen Bevölkerung Perspektiven vor Ort zu geben und die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Wichtig sei zudem eine faire Handelspolitik, die Förderung kleinbäuerlicher, nachhaltiger Landwirtschaft und moderner Energieversorgung sowie der verstärkte Kampf gegen Menschenhandel.

"Jugend Eine Welt"-Spendenkonto: IBAN AT66 3600 0000 0002 4000

Info: www.jugendeinewelt.at

Quelle: Kathpress

 

[mschauer]