Erzabt Korbinian: Reden und tun müssen zusammenpassen

Das hat der Salzburger Erzabt Korbinian Birnbacher in einem Interview für "Radio Klassik Stephansdom" betont. Er äußerte sich auch zu den Missbrauchsfällen und "Scheinheiligkeiten" in der Kirche, aber auch zur neuen Gestaltung des Stifts St. Peter in Salzburg, der neuen "Österreichischen Ordenskonferenz" und zur beginnenden Fastenzeit. 

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Erzabt Korbininan Birnbacher: Menschen spüren die Scheinheiligkeit. (c) Michael Rieß 

Interne Autoritätsgefälle abbauen

Eine Lehre für die Kirche aus der Missbrauchskrise besteht für den Erzabt darin, das interne Autoritätsgefälle abzubauen. Das Wichtigste sei, "dass man den Betroffenen gegenüber ein verlässliches Gegenüber sein muss, dass man ihnen glaubt", fasste der Birnbacher seine Bemühungen um die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle zusammen. Zugleich müsse man Verantwortung hinsichtlich der Entschädigungszahlungen übernehmen, auch wenn dies "nie und nimmer das Leid wiedergutmachen" könne.

Er habe "wirklich ganz wertvolle Menschen erlebt, die einfach auf dieses Zeichen lange warten mussten", so Birnbacher, und: "Ich weiß nicht, warum man ihnen nicht geglaubt hat." Man habe sich von Seiten der Kirche um die Opfer und die Betroffenen überhaupt nicht gekümmert, "sondern es ist immer darum gegangen, den Ruf eine Institution oder die Fassade aufrechtzuerhalten". Das habe natürlich auch die Täter dazu bewogen, genau damit zu rechnen, so Birnbacher, der von einer "ganz üblen Überschreitung von Grenzen" sprach.

Birnbacher: "Ich war selber auch in einem katholischen Internat. Ich habe Missbrauchserfahrungen selbst nicht erleben müssen. Ich weiß aber heute, dass das auch zum Teil passiert ist. Was ich aber immer wusste, ist, dass das Ganze schon eine gewisse Scheinheiligkeit hat. Das haben wir schon ganz intuitiv gespürt." Ein Präfekt habe ihm damals einen Satz fürs Leben mitgegeben: "Ich glaube nicht, was du sagst, denn ich sehe, was du tust."

"Es ist ein Ursprungsort"

Die Erzabtei St. Peter ist das älteste Kloster im deutschen Sprachraum mit einer ungebrochenen Kontinuität. Durch mehr als 1.300 Jahre leben und wirken hier Benediktinermönche. Das Kloster St. Peter in Salzburg wurde vom Wormser Bischof Rupert 696 als Missionskloster in den Südostalpen gegründet.

Die Generalsanierung der Stiftskirche St. Peter wurde im Vorjahr erfolgreich abgeschlossen. Das Gebäude wurde nicht nur gereinigt und renoviert, sondern auch stabilisiert und die liturgischen Orte wurden neu gegliedert. Die zwei auffälligsten Neuerungen sind der Volksaltar sowie die Erschließung und Renovierung der Krypta.Birnbacher zeigte sich sehr zufrieden: "Es ist zunächst einmal der Ort, wo das Christentum hier seinen Anfang genommen hat. Es ist ein Ursprungsort. Wir haben bei dieser Restaurierung und Neugestaltung der liturgischen Orte einen guten Weg gefunden, sodass diese Kirche einfach auch gerne angenommen wird." Das freischwebende Kreuz über dem neuen Altar werde die Osternacht mit ihrer Lichtsymbolik in diesem Jahr zu einem besonderen Ereignis machen.

Stabilität und Verlässlichkeit

Rund um den Jahreswechsel hat der Vatikan offiziell den Zusammenschluss der Vereinigung der Frauenorden und der Superiorenkonferenz der Männerorden zur "Österreichischen Ordenskonferenz" bestätigt. Erzabt Birnbacher ist der Erste Vorsitzende der Konferenz; ihm zur Seite steht Generaloberin Franziska Bruckner von den Franziskanerinnen Amstetten. Birnbacher machte sich grundsätzlich um die Zukunft der Orden keine Sorgen, auch wenn die Zahl der Ordensleute zurückgeht.

Der demografische Wandel werde in den kommenden Jahren noch deutlicher zu spüren sein. Von den Ordensleuten seien derzeit noch rund zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer. Bei den Frauenorden seien aber 80 Prozent der Schwestern schon über 80 Jahre alt. "Über den Daumen gepeilt wird man in 15 Jahren wohl nur mehr halb so viele Ordensfrauen wie Ordensmänner in Österreich vorfinden." Der Erzabt sieht dies aber sehr gelassen. In der Erzabtei St. Peter habe man jedenfalls noch einen "relativ guten Altersdurchschnitt". Birnbacher: "Wir haben auch junge Mitbrüder. Ich persönlich kann oder darf da gar nicht klagen."

Stabilität und Verlässlichkeit bezeichnete Birnbacher als zwei wesentliche Merkmale des Ordenslebens: "Das ist meines Erachtens in der gegenwärtigen Zeit von hoher Aktualität, denn gerade weil wir alles können und vermeintlich auch alles dürfen sind wir wirklich orientierungslos geworden. Wir wissen vor lauter Möglichkeiten gar nicht mehr, was gut oder schlecht, was sinnvoll oder nicht sinnvoll ist. Es ist alles gleich gültig und deswegen auch ein Stück weit belangloser."

Auf den Aschermittwoch und die beginnende Fastenzeit angesprochen sagte der Erzabt, dass das Aschenkreuz für ihn nicht nur ein Symbol der Vergänglichkeit, sondern auch der Reinigung ist. "Radio Klassik Stephansdom" strahlt das Aschermittwochsgespräch" mit Erzabt Birnbacher diesen Mittwoch um 17.30 Uhr aus. Es ist danach auch als Podcast auf der Website des Senders (https://radioklassik.at) abrufbar.

Quelle: Kathpress

[elisabethmayr]