Predigtforum: Die Krise hilft uns weiter zu denken

Während vielen von uns erst jetzt in der Krise die Bedeutung von Onlineangeboten im kirchlichen Bereich klar wird, war P. Hans Hütter CSsR ein Onlinevisionär der ersten Stunde. Er gründete schon 1996 das Predigtforum: Eine Plattform zur Verkündigung aber noch wichtiger, mit Materialien und Inspirationen zur Gottesdienstgestaltung. Bis zu 13.000 Website-Aufrufe pro Woche bestätigen sein Vorhaben bis heute.

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P. Hans Hütter war ein Onlinevisionär der ersten Stunde, auch in der Krise sieht er wieder neue Chancen für die Verkündigung. Hier im Skypeinterview. (c) Medienbüro

In einem – wie passend einerseits, und wie könnte es auch sonst sein, andererseits – Skype-Videointerview mit Magdalena Schauer von den Ordensgemeinschaften Österreich berichtet P. Hans Hütter über die Entwicklung und den Anspruch der Plattform.

Magdalena Schauer: Wie entstand das Predigtforum?

P. Hans Hütter: Gegründet habe ich es im Jahr 1996. Ich habe mich in den Jahren davor schon umgesehen und mir Gedanken gemacht, wie man die sich damals neu entwickelnden Medien für die Verkündigung nutzen könnte. Dann kam das Internet auf und jemand gab mir den Tipp, dass es ein gutes Medium wäre. Gesagt, getan. 1996 gingen wir online mit Kurzkommentaren zu den biblischen Lesungen der Sonntage. Unser Anspruch war, dass diese für eine breite Zielgruppe verständlich sein sollten.

Wie entwickelte sich die Plattform weiter?

Bald kamen weitere Rubriken hinzu. Wir betteten die „Predigtgedanken“ ein, dann kamen die  „Kontexte“ – also Texte zu Bibelstellen, die dazu passen oder gegengelesen werden können, wie aktuelle Texte, Zeitungsberichte oder Kommentare und zum Schluss kamen noch „Texte für die Gottesdienstgestaltung“ dazu. Anfangs habe ich alles selbst gemacht, doch bald brauchten wir eine richtige Datenbank und ich habe mir professionelle Unterstützung geholt. Mittlerweile ist das Ganze eine große Sache geworden.

Für mich stand von Anfang an der Aspekt der Verkündigung im Vordergrund. Ich möchte nicht für Menschen schreiben, die selbst keine Einfälle haben, sondern für diejenigen, die sich Denkanstöße holen wollen.

Welche konkrete Zielgruppe kristallisierte sich bald heraus?

Gerade in den Sommermonaten wurde es mit den Jahren immer notweniger, dass gerade in kleinen Landgemeinden Wortgottesdienstfeiern gehalten wurden. Es gab hierzu dann zwar offizielle Richtlinien, aber für den oder diejenige, die die Wortgottesdienstfeiern vorbereitet haben, wurde wenig direkte Hilfe zur Verfügung gestellt. Unsere Plattform hat sich dann ziemlich schnell unter den WortgottesdienstleiterInnen herumgesprochen und sie sind bis heute unsere HauptnutzerInnen.
Eine nette Anekdote: Ich musste ein paar Tage im AKH verbringen und habe dort den Gottesdienst besucht und musste bald sehr schmunzeln. Ein afrikanischer Priester hat den Gottesdienst gehalten und ich kannte die Predigt – sie stand auf unserer Homepage. Was mich aber besonders gefreut hat war, dass er sie zum Teil übernommen hat, aber er trotzdem seine eigene Predigt daraus gemacht hat. Er hat sie weitergeführt! Da fühlte ich mich in meiner Arbeit bestätigt.

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Die Aufmachung des Predigtforums ist klar, übersichtlich und leicht zu bedienen!

 
Wieviele Aufrufe hat das Predigtforum?

Auch ohne Werbemöglichkeit waren wir bald bei 500-800 Anfragen, an den Tagen wo Gottesdienste gefeiert wurden, steigerte es sich auf 1200 bis 2000 Aufrufe. Auf die Woche summiert liegen wir durchschnittlich bei 12.000 bis 13.000 Anfragen.

 Wie haben sich die Aufrufe in der Zeit der Krise verändert?

Wir bekamen Anfragen, ob wir nicht speziell in dieser Zeit Anregungen für das Hausgebet in Familien bringen könnten. Auch hier war es ähnlich wie bei den Wortgottesdienstfeiern: Es wurden zwar offizielle Modelle für Hauskirchen vorgestellt, aber es fehlten Anregungen für jeden Tag. Man kann ja nicht jeden Tag das gleiche machen. Und hier bieten wir jetzt Anstöße für Familien an, aber auch gerade für die Menschen, die momentan vielleicht alleine zu Hause sind und Kontakte meiden.

Ansonsten sind unsere Gesamtzugriffszahlen momentan gesunken, da keine Wortgottesdienste vorbereitet werden und dementsprechend weniger Unterlagen und Inspirationen benötigt werden.

Sie betreiben zusätzlich zum Predigtforum auch noch das Predigtatelier, was ist das?

Das Predigtatelier ist eine Initiative der HomiletikerInnen Österreichs in Kooperation mit dem Bildungshaus St. Hippolyt und dem Predigtforum der Redemptoristen. Es ist ein Lehrgang, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer befähigt, ihre Predigtpraxis zu verbessern. Es werden die persönlichen Kompetenzen gestärkt (Körper, Stimme) sowie neue homiletische Zugänge erarbeitet. Unsere Zielgruppe sind Priester, Diakone, SeelsorgerInnen, ReligionslehrerInnen, Wortgottesdienst-LeiterInnen und Personen, die regelmäßig predigen und ihre Predigtpraxis reflektieren, sowie neue Zugänge zur Verkündigung kennen lernen möchten. Im Herbst startet bereits der zweite Lehrgang. Wir hoffen, dass sich hier auch mehr Frauen anmelden. In der ersten Runde waren es drei weibliche Bewerberinnen und wir würden uns über viele weitere weibliche Anmeldungen freuen.

Welche Hoffnungen haben Sie für die Zukunft, was wird sich durch die Krise verändern?

Ich glaube einiges von den digitalen Angeboten wird auch nach der Krise bleiben. Einiges grundsätzliches wird man neu entdecken und Vergessenes wieder aufgreifen. Wir merken jetzt, dass wir uns nicht endlos verzetteln können: Viele kleine Gemeinden und GottesdienstbesucherInnen waren bisher nicht bereit woanders mitzufeiern. Das wird sich ändern. Umgekehrt wird uns klar, und ich hoffe das bleibt, dass Wortgottesdienstfeiern ebenso wertvoll sind und die Kirche so auch wieder im Dorf bleiben kann. Was ich außerdem hoffe ist, dass der Wert des Gebets in der Familie neu entdeckt wird.

Ich denke diese Krise lässt uns das Geheimnis der Auferstehung durchaus neu entdecken, andenken und vielleicht auch umdenke. Sie ist ein Mysterium, ein Geheimnis mit vielen Facetten und ich denke, die Krise kann uns helfen, hier auch weiter zu denken und nicht bei sehr kindlichen Vorstellungen, die wir vielleicht aus dem Volksschulreligionsunterricht mitgenommen haben, hängen zu bleiben. Das erhoffe ich mir und da sehe ich auch die große Chance dieser Krise.

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[magdalena schauer]