Grenzenlos trotz Grenzen

Einen Gottesdienst der Einheit feierte der Provinzvikar der Redemptoristen, P. Martin Leitgöb, unmittelbar an der österreichisch-tschechischen Grenze. Damit sollte symbolisch an die Verbundenheit der Länder in Zeiten der geschlossenen bzw. stark kontrollierten Grenzen erinnert werden. 


Der Redemptorist P. Martin Leitgöb feierte einen Gottesdienst am Grenztisch an der österreichisch-deutschen Grenze.

Grenzenlos trotz Grenzen: Der Gottesdienst am Grenztisch mit P. Martin Leitböb CSsR. (c) Redemptoristen

Die hl. Messe wurde auf dem "Grenztisch" in Mitterretzbach-Hnanice zelebriert. Der "Grenztisch" ist ein Kunstprojekt des österreichischen Künstlers Peter Klug, der die Gemeinden Retzbach auf österreichischer und Nanice auf tschechischer Seite verbindet. Die Grenze verläuft unmittelbar durch den Tisch hindurch.

Der Gottesdienst, der - wie P. Leitgöb im Gespräch mit Kathpress betonte - "selbstverständlich unter Einhaltung der Corona-Bestimmungen stattfand", stand unter dem Motto "Grenzenlos trotz Grenzen". Der Einladung waren laut Leitgöb rund 50 Gläubige u. a. aus Wien, aber auch aus der Region beiderseits der Grenze gefolgt, darunter auch der frühere österreichische Botschafter in Prag, Ferdinand Trauttmansdorff.

Gottesdienst am Grenztisch. Das Foto zeigt die Vorbereitungsgruppe des Gottesdienstes - zusammen mit mir Elisabeth und Rainer Wolfbauer, Stanislav Adamek (Tschechische Gemeinde, Wien) und Diakon Aleš Ullmann (Perchtoldsdorf).

Die Vorbereitungsgruppe des Gottesdienstes: Stanislav Adamek (Tschechische Gemeinde, Wien), Rainer und Elisabeth Wolfbauer, Diakon Aleš Ullmann (Perchtoldsdorf) und P. Martin Leitgöb.  (c) Redemptoristen

Nachbarschaft und Freundschaft

In seiner Predigt erinnerte Leitgöb an die bewegte Geschichte der Grenze und das Ringen der Menschen um Frieden und Einheit. In den vergangenen Jahrzehnten seit dem Fall des Eisernen Vorhangs seien grenzüberschreitende Nachbarschaft und Freundschaften gewachsen - dafür stehe u.a. der "Grenztisch". "Und deshalb erlauben wir niemandem, dass unsere Nationen wiederum getrennt werden. Wir erlauben das weder dem Populismus noch dem Nationalismus, weder einem Virus noch der Angst vor ihm. Wir erlauben das auch nicht der Sünde und dem Hochmut. Unsere Nachbarschaft ist stärker als das alles."

Lebendiges Klemensjubiläum

Zudem erinnerte Leitgöb in diesem Zusammenhang an den Wiener Diözesanpatron, den heiligen Klemens Maria Hofbauer (1751-1820), der aus der Grenzregion stammte und dessen 200. Todestages heuer gedacht wird. Die Veranstaltungen mussten aufgrund der Verordnungen der Regierung zur Eindämmung des Coronavirus großteils in kleinerem Rahmen gefeiert bzw. ganz abgesagt werden. Letzteres betraf vor allem die Festlichkeiten, die gemeinsam mit den Mitbrüdern aus Tschechien hätten gefeiert werden sollen. 

Der Gottesdienst wurde am Grenztisch des Künstlers Peter Klug gefeiert.

Die Corona-Regeln wurden beim Gottesdienst eingehalten. (c) Redemptoristen

P. Leitgöb betonte, dass der Redemptorist Klemens Maria Hofbauer als Beispiel dafür dienen könne, wie gerade der Glaube dabei helfe, Grenzen zu überschreiten bzw. mit Grenzen so zu leben, dass sie nicht trennen, sondern verbinden. Insofern sei Hofbauer ein "grenzüberschreitender Heiliger".

Grenzübergang wieder geöffnet

Der Grenzübergang Mitterretzbach-Hnanice ist nach Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen zwar bereits wieder geöffnet, nach Tschechien Einreisende müssen jedoch den Grund für ihre Einreise offenlegen und einen aktuellen, maximal vier Tage alten negativen Coronatest vorweisen können.

[elisabeth mayr]