Franz Jalics SJ in Budapest gestorben

Der Jesuit, Theologe und Buchautor Franz Jalics ist am 13. Februar im Alter von 93 Jahren in dem Seniorenheim in Budapest, in dem er zuletzt gelebt hatte, gestorben. 1976 wurde er als politisch engagierter Seelsorger von der argentinischen Militärdiktatur ein halbes Jahr eingesperrt - eine Erfahrung, die sein Wirken entscheidend prägen sollte.  

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Der am 16. November 1927 in Budapest geborene Jalics trat 1947 ins Noviziat der Jesuiten ein. Unter dem Druck der kommunistischen Regierung musste er Ungarn erlassen und absolvierte seine philosophischen Studien in Pullach und Löwen/Belgien. Er studierte in Pullach bei München und im belgischen Löwen Philosophie. Nach weiteren Studien in Chile und Argentinien wurde er in Buenos Aires Dozent für Fundamentaltheologie und Dogmatik. 1974 zog er in ein Elendsviertel der Millionenstadt, um das Leben mit den Armen zu teilen. Nach dem Putsch 1976 wurde er von der Militärjunta verschleppt und ein halbes Jahr "mit verbundenen Augen" eingesperrt. 

Spekulation über Rolle des heutigen Papstes

Für Spekulationen sorgte die Rolle des heutigen Papstes Franziskus bei der Verschleppung und Einkerkerung Jalics. Jorge Bergoglio, heute Kirchenoberhaupt, war damals Leiter der Jesuitenprovinz in Argentinien. 2003 bezichtigte der argentinische Journalist Horacio Verbitsky Bergoglio, seine Ordensbrüder Jalics und Orlando Yorio im Stich gelassen zu haben. Eine Publikation des argentinischen Autors Aldo Duzdevich von 2019 kam zu einem anderen Urteil. Demnach habe Bergoglio mit der Verhaftung der Jesuiten nichts zu tun gehabt, sondern sich im Gegenteil um ihre Freilassung bemüht.

Jalics selbst hatte unmittelbar nach der Papstwahl im März 2013 die Darstellung eines schuldhaften Verhaltens von Bergoglio zurückgewiesen. Er, Jalics, sei selbst damals getäuscht worden und Fehlinformationen aufgesessen. Im Oktober 2013 wurde Jalics von Papst Franziskus zu einer privaten Begegnung im Vatikan empfangen. Bereits in den 1990er-Jahren waren er und Bergoglio zusammengetroffen; beide feierten als Zeichen der Aussöhnung gemeinsam die Messe.

Rückkehr nach Deutschland

Seit 1978 lebte Jalics in Deutschland. Geprägt durch seine eigenen Erfahrung in der Gefangenschaft fokussierte er sich auf Exerzitien. 1984 gründete Jalics ein Exerzitienhaus in Wilhelmsthal, Naturpark Frankenwald, das er bis 2004 leitete. Sein 1994 erschienenes Buch Kontemplative Exerzitien. Eine Einführung in die kontemplative Lebenshaltung und in das Jesusgebet - vielfach übersetzt - gilt heute als bedeutendes Werk zur praxisorientierten Einführung in die Kontemplation.

YouTube Serie

In einer Videoserie für YouTube gibt Franz Jalics persönliche Einblicke in sein Leben. Hier gehts zur gesamten Playlist.

 

Quelle: Kathpress, jesuiten.org

[elisabeth mayr]