Konzil: Ordensfrauen wollten mitreden und abstimmen

2013 04 23 Buchpräsentation Frauenkommission Foto-Reischl TEASERUnter den 2.500 Entscheidungsträgern im II. Vatikanischen Konzil war keine einzige Ordensfrau. Nicht einmal in die Kommission zur Erarbeitung des Dekrets über die Orden, Perfectae caritatis, waren Ordensfrauen eingebunden, wenngleich sie auf verschiedenen Wegen Verbesserungsvorschläge einbrachten. 10 Ordensoberinnen und 13 Frauen aus Laienorganisationen wurden etwa zur Halbzeit des Konzils eingeladen, das Konzilsgeschehen zu beobachten. „Speak and vote“ – das waren die unerfüllten Wünsche der Präsidentin der Konferenz der Höheren Oberinnen in den USA, Sr. Mary Luke Tobin. Ein neues Buch erzählt die Geschichte von Frauen im Konzil.

(Ordens-)Frauen im Konzilsverlauf als Zuhörerinnen geladen
 
Im Mittelpunkt des Buches stehen vier deutschsprachige Frauen, keine Ordensfrauen, die sich im Vorfeld des II. Vatikanischen Konzils eingebracht haben und Eingaben zum Frauenbild in der Kirche machten - die Schweizerin Gertrud Heinzelmann sowie die Deutschen Iris Müller und Ida Raming sowie Josef Theresia Münch. Zwei von ihnen leben noch, mit einer, Josef Theresia Münch, hat Buchautorin Maria Prieler-Woldan ein ausführliches Gespräch geführt und es im Buch dokumentiert. „Das Konzil und die Frauen“ gibt einen Einblick in die Anstrengungen einiger Frauen und Männer, dass auch Frauenstimmen in den Konzilsprozess einfließen. Es macht auch das Lebensgefühl spürbar, in dem es von den meisten Menschen als Selbstverständlichkeit betrachtet wurde, dass 2.500 Männer wichtige Entscheidungen trafen, die zu gleichen Teilen Männer und Frauen betrafen.Vom pfingstlichen Geist, der viele Bischöfe bewegte, waren aber auch schon damals mutige und visionäre Frauen angetrieben.
 
Knapp ein Prozent Konzilsteilnehmerinnen, ohne Redemöglichkeit
 
„Talente dürfen nicht vergraben werden, auch dann nicht, wenn sie einer Frau geschenkt wurden.“ Die Aussage stammt von Sr. Juliane Thomas, Oberin der Armen Dienstmägde Jesu, die ab 1964 unter den 23 Frauen im Auditorium des Konzils war. Die Frauen hatten keine offizielle Redemöglichkeit, aber sie haben sich durch Pausengespräche und Beteiligung an begleitenden Konferenzen und Symposien kreativ eingebracht, erklärt die Autorin Prieler-Woldan. Die Konzilsteilnehmerinnen bemühten sich, in Konzilstexten, die von der Gleichstellung der Klassen und Rassen handelten, auch das Geschlecht zu ergänzen. Selbst Papst Johannes XXIII. hatte die Frauenfrage als ein Zeichen der Zeit bezeichnet.
 
Das Buch „Das Konzil und die Frauen“ wurde am 23. April 2013 in Linz präsentiert und stellt in verständlicher Sprache die Geschichte engagierter (Ordens-)Frauen im Zweiten Vatikanischen Konzil dar: Maria Prieler-Woldan, Das Konzil und die Frauen. Pionierinnen für Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche, hrsg. von der Frauenkommission der Diözese Linz, Linz (Wagner Verlag) 2013. - ISBN 978-3-902330-79-6, 197 S., bebildert, Preis: 21,00 Euro

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Bei der Buchpräsentation am 23. April 2013 in Linz. Von links: Dr. Helmut Wagner (Wagner Verlag), Mag.a Elisabeth Kamptner (Vorsitzende der diözesanen Frauenkommission), Autorin Dr.in Maria Prieler-Woldan, Mag.a Sonja Riha, Frauenbeauftragte der Diözese Linz, Bischofsvikar Dr. Johann Hintermaier

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