Neue Caritas Socialis-Leiterin: Viele Frauenrechte unverwirklicht

2013 07 22 1 sr  susanne krendelsberger klein 1 CS TEASERSr. Krendelsberger: Externe Mitarbeiter sind "Zeichen der Hoffnung" - CS-Zukunftsthemen besonders Demenz, Teilhabe, und Blick auf Frauen in Bedrängnis

Es gehört zu den "drängensten gesellschaftspolitischen Problemen", dass die Gleichbehandlung für Frauen in deren Grundrechten und Möglichkeiten weiterhin nicht konsequent umgesetzt ist: Das hat die neue Leiterin der Caritas Socialis (CS), Sr. Susanne Krendelsberger, im Interview mit "Kathpress" dargelegt: "Betroffen sind vor allem Frauen aus ärmeren Schichten, oft Alleinerzieherinnen, denen es an Ausbildung, Zugang zum Arbeitsmarkt und adäquater Kinderbetreuung mangelt", so die Ordensschwester. Es gebe noch viel zu tun, um die Forderungen von Ordensgründerin Hildegard Burjan nach Stärkung von Frauenrechten zu realisieren. Den "Blick auf Frauen in Not" und die Ausweitung der geistlichen Gemeinschaft auf "Menschen um uns herum" seien deshalb die wichtigsten Ziele der Schwesterngemeinschaft, so Sr. Krendelsberger.

Kampf gegen Menschenhandel "Anliegen Burjans"

Eine Gruppe, die in jüngster Zeit in den besonderen Fokus der Sozial- und Betreuungsarbeit der Caritas Socialis gekommen ist, sind Frauen, die in den Menschenhandel und in die Prostitution getrieben wurden: "An diesen schwer traumatisierten, zumeist über einen langen Zeitraum missbrauchten Frauen wird die Idee Burjans, für Menschen in Not da zu sein, mit ihnen mitzugehen und sie stärkend zu begleiten, wirklich konkret", so Krendelsberger zu einem der Schwerpunkte ihrer Arbeit. Die Caritas Socialis engagiert sich u.a. im Verein "Solwodi Österreich" in der Betreuung, Beratung und Begleitung einer anonymen Schutzwohnung, die mit derzeit sieben Frauen und sieben Kindern voll belegt sei. "Viele der Frauen kommen aus dem ehemaligen Ostblock, teils auch aus Afrika. Wir arbeiten mit ihnen am Aufbau ihres Selbstwertgefühls und versuchen, mit Qualifizierungsmaßnahmen, Deutsch- und Alphabetisierungskursen Fähigkeiten zur Selbstbestimmung zu vermitteln", so die Krendelsberger, die Anfang Juli zur Nachfolgerin von CS-Generalleiterin Sr. Judith Tappeiner gewählt wurde. "Solwodi" ist eine in Österreich seit 2010 bestehende Initiative von sechs Ordensgemeinschaften gegen Menschenhandel mit dem Ziel einer Hilfe zur Selbsthilfe und Eigenständigkeit von Frauen, die Opfer sexueller Gewalt und Ausbeutung wurden. Neben der Krisenintervention in der akuten Notsituation erhalten Frauen in der über österreichische Ordensgemeinschaften finanzierten Einrichtung langfristige Beratung, Hilfe zur psychischen Stabilisierung und Unterstützung bei der Entwicklung neuer Lebensperspektiven.

CS-Zukunftsthemen Demenz und Teilhabe

Die Caritas Socialis führt in Wien außerdem drei Pflege- und Sozialzentren, in denen professionelle Pflege und Betreuung für alte und chronisch kranke Menschen angeboten werden, und zwar stationär, in Tageszentren, im CS Hospiz Rennweg, in Wohngemeinschaften und zu Hause. "Innerhalb dieses Kernbereichs wollen wir uns verstärkt mit Demenz auseinandersetzen und Impulse für die Stärkung von Teilhabemöglichkeiten und die Begleitung dementer Personen entwickeln", kündigte Sr. Krendelsberger an. Dabei gehe es ihr nicht nur um Pflege und Betreuung, sondern auch um gesellschaftliche Bewusstseinsbildung für die Themen Sterben, Tod und Trauer. "Wir wollen hier aktiv in die Gesellschaft gehen und sensibilisierend wirken. Menschen dürfen nicht alleine gelassen werden", so die CS-Generalleiterin gegenüber "Kathpress".

Externe Mitarbeiter "Zeichen der Hoffnung"

Das Älterwerden der in Österreich, Brasilien, Deutschland und Südtirol vertretenen CS-Schwestern sei insbesondere in Europa ein "ernstes Problem". Dennoch gebe es dank externer Mitarbeiterinnen und dem Zulauf in Brasilien gewichtige Zeichen der Hoffnung: "Die Ideen von Hildegard Burjan, in der Sozialarbeit gesellschaftliche Kluften durch christliche Liebe und mitfühlendes Herz zu überwinden, sind nicht allein an die Schwesterngemeinschaft gekoppelt. Dass sie weitere Kreise zieht, zeigen alleine die beinahe 1.500 Menschen hierzulande, die als externe Mitstreiter am Weg der Caritas Socialis mitarbeiten", so Krendelsberger. Hoffnung für die Zukunft komme auch aus dem aktuellen Gastgeberland des Weltjugendtages: "In Brasilien herrscht große Aufbruchsstimmung. Wir können viel von den dortigen Schwestern lernen, von den Mitgliedern innerhalb der geistlichen Gemeinschaft, aber auch von jenen außerhalb, die durch ihren sozialen Einsatz nach dem Charisma Hildegard Burjans zu leben versprochen haben", so die CS-Leiterin mit Blick auf Lateinamerika.

Gegen Unterernährung in Brasilien

Zwei Schwerpunkte kennzeichne die Arbeit der Caritas Socialis in Brasilien: Zum einen die Kinderpastoral in der Diözese Guarapuava im Süden des Landes, wo ein Projekt gegen Unterernährung von Frauen, vor allem Schwangeren und Müttern mit Kindern bis zu sechs Jahren, Hilfe und Beratung im Umgang mit Lebensmittelknappheit bietet. "Bei diesen Gruppentreffen, die auch Schulungsprogramme und Maßnahmen zur Selbstwertsteigerung beinhalten, wirken insgesamt 2.500 ehrenamtliche Mitarbeiter mit", erläuterte Sr. Krendelsberger. Zum anderen unterhält die Caritas Socialis in Brasilien ein Zentrum für die Unterstützung und Begleitung von Familien (Centro de Apoio a Familia). Wöchentlich kommen rund 400 Betroffene dorthin, erhalten warme Mahlzeiten und vor allem Kursangebote zur Alphabetisierung, Nähen, Kochen, Berufsqualifikationen bis hin zur Gitarrenstunde. "Die Brücke zwischen Österreich und Brasilien in der einen Caritas Socialis zu stärken, ist mir ganz wichtig", so die neue Generalleiterin.

"Faszination, für Menschen da zu sein"

Für sie selbst sei es die "Faszination, unter Menschen zu sein und für Menschen da zu sein", der ihren Ruf für die Ordensgemeinschaft auf den Weg zur Caritas Socialis brachte. Susanne Krendelsberger wurde 1962 in Wien geboren, wuchs in der Pfarre Lainz-Speising auf, kam dort mit der CS in Kontakt und trat 1986 in die Gemeinschaft ein. Sie arbeitete im damals neu gegründeten Jugendzentrum Oberleis im Weinviertel, übernahm die Leitung des CS Wohnheims für Mutter und Kind und der CS Beratungsdienste. Seit 2001 ist sie Generalassistentin in der Generalleitung der Schwesterngemeinschaft, seit 2008 Verantwortliche für die Hausgemeinschaft in der Pramergasse und seit 2011 Verwaltungsleiterin, bis sie von der Generalversammlung vom 4. bis 13. Juli in Laab im Walde für die kommenden sechs Jahre zur Generalleiterin gewählt wurde.

Quelle Text: kathpress
Quelle Bild: CS

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