Ordensfrauen, Sozialwissenschaftler, Sicherheitsexperten, Juristen und NGOs diskutieren Tabu-Thema Frauenhandel

Hildegard Burjan Gespräch Frauenhandel 120Um Menschenhandel verhindern zu können, müssten viele wohlhabende westliche Staaten endlich vor Ort in den betroffenen Regionen aktiv werden. Den oft minderjährigen Frauen und deren Eltern müssten in ihren Heimatländern neue Perspektiven eröffnet werden. Das HILDEGARD BURJAN-FORUM organisierte am 7. November 2013 im Amtshaus Hietzing eine hochkarätige Diskussionsveranstaltung.

 

Caritas Socialis-Generalleiterin Susanne Krendelsberger, die Stellvertretende Obfrau von SOLWODI, wies auf die Vielfältigkeit des Problems hin. Viele illegal in Österreich lebende Frauen würden unterdrückt und litten unter Gewaltsituationen. Deshalb trauten sich diese Frauen oft nicht, gegenüber der Polizei auszusagen. SOLWODI habe sich mit der Einrichtung eines Schutzhauses dazu entschlossen, hier einen "kleinen Akzent" zu setzen und Frauen dabei zu helfen, „einen Ausstieg aus dem System zu wagen“. Dabei helfen die Ordensschwestern den Betroffenen, sich in Österreich zu integrieren und eine Berufsausbildung zu machen.

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Freier im Fokus

Patricia Erber, Leiterin von SOLWODI, betonte, dass das Menschenbild der Freier stärker in den Fokus rücken müsse. „Die Würde der Frau, der Umgang mit ihr, sie nicht als Objekt, sondern als ebenbürtig zu sehen“, sei lebenswichtig. Viele Freier würden die Prostituierten als „Lustobjekt, das ich benutzen kann“ sehen, oder sie glaubten, dass die Frau die Prostitution selbst als befriedigend empfinde. Deshalb wünsche sie sich, dass Freier an Diskussionen wie der aktuellen teilnehmen, damit so die andere Seite gesehen werden und für dieses Thema sensibilisiert werden können. Bei einigen sei das bereits der Fall, da SOLWODI immer wieder Hinweise von Freiern erhalte, die „ein Gespür dafür haben, wenn eine Frau das nicht freiwillig macht“.

Menschenhandel - Problem mit langer Geschichte

Der Soziologe Roland Girtler unterstrich in seinem Vortrag, dass das Thema Frauenhandel ein Problem mit einer langen Geschichte in Österreich sei. Er zitierte dabei - neben einigen anderen Quellen aus der Zeit Kaiser Franz Josefs. Zitiert wurde aus dem Brief eines Opfer aus dem Jahr 1883, in dem dieses der k.u.k. Polizei ihr Leid klagte. Früher seien sehr oft Frauen jüdischer Abstammung die Opfer gewesen. Der Hauptgrund sei auch damals schon die Armut gewesen und den jungen Frauen aus dem Osten wurden - wie heute - Jobs in Österreich versprochen.

Bericht auf ORF Religion

Bericht bei den CS-Schwestern

[fk]