Ordensoberin kritisiert heimische Einreisepolitik

Es sei schwierig geworden, junge Schwestern aus dem Süden nach Österreich zu entsenden, hält Sr. Monica Mary Ncube, Generaloberin der Schwestern vom Kostbaren Blut, in einem Interview mit der Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag" fest. Dabei würde die überalterten Gemeinschaften hierzulande Entlastung dringend benötigen. 

 

Ordensoberin Wernberg kritisiert Einreisebeschränkungen Politik

Die Generaloberin der Schwestern vom Kostbaren Blut, Sr. Monica Mary Ncube, war zu Besuch in Wernberg. Sonntag-Chefredakteur Gerald Heschl nutzt die Zeit für ein Gespräch. (c) Wernberg

Unterschiede zwischen Norden und Süden

Die restriktive Einreisepolitik in Österreich kam zu Sprache, als Sr. Monica Mary Ncobe CPS auf die globalen Unterschiede, vor allem im Norden (Europa) und Süden (Asien, Afrika), in ihrem Orden angesprochen wurde. Die Altersgrenze sei etwa ein wesentlicher Unterschied. Man versuche daher, jüngere Schwestern nach Österreich bringen, um die hier lebenden Gemeinschaften zu entlasten und zu bereichern. Es werde aber immer schwieriger, Aufenthaltserlaubnisse zu bekommen. Das sei schwierig. 

Zur Frage, inwieweit sich die Aufgaben der Missionsschwestern im reichen Norden und armen Süden unterscheiden, meinte Ncube: "Im Norden behaupten die Menschen, sie seien schon evangelisiert. Aber ihr Leben hat mit dem Evangelium überhaupt nichts zu tun. So ist es wichtig, dass es Menschen gibt, die einen anderen Lebensentwurf vorzeigen, der sich am Evangelium orientiert. Daher ist Mission auch eine wichtige Aufgabe der Schwestern in Europa."

In Afrika seien die Menschen materiell arm, aber sie lebten in großen Familienverbänden und niemand sei dort einsam. "Die Familie gibt Halt und die Gewissheit, dass man mit seinen Problemen nicht alleine ist." Im Westen seien die Menschen zwar materiell reich, "aber es gibt eine große seelische Armut", so Ncube: "Sie finden hier Menschen, die tatsächlich niemanden haben. Das war für mich einfach unglaublich, als ich es das erste Mal erlebte. Dazu kommt im Westen, dass für viele Religion überhaupt keine Rolle spielt. Auch das ist für mich eine Form von Armut." Es braucht demnach mehr Nähe, mehr Zusammengehörigkeit und auch mehr Verantwortungsgefühl füreinander. "Denn gegen Einsamkeit hilft auch nicht der größte Reichtum", so die Ordensfrau, die aus Simbabwe stammt.

Einsatz auch in gefährlicheren Regionen

Die Schwestern seien auch dort im Einsatz, wo es besonders gefährlich ist, berichtet Ncube weiter: "Einige Schwestern wirken etwa im Sudan an der Grenze zwischen Nord-und Südsudan in den Nuba-Bergen. Sie arbeiten dort als Lehrerinnen oder Krankenschwestern. Derzeit ist die Situation etwas leichter. Aber noch bis vor Kurzem berichteten die Schwestern von schweren Bombardierungen, denen sie ausgesetzt waren. Die Menschen leben daher in Erdlöchern und sind ständig auf der Flucht. Das heißt, die Schwestern ziehen auch von einem Ort an den anderen mit. Uns geht es einfach darum, dass wir mit diesen armen Menschen sind und sie nicht im Stich lassen."

Auch von der Corona-Krise seien die Ordensfrauen betroffen, vor allem in Südafrika, "wo wir direkt mit den Kranken in den Krankenhäusern zu tun haben. Es seien auch schon einige Schwestern an Covid-19 verstorben.

Sr. Monica Mary Ncube wurde 1949 in Simbabwe, geboren. Von 1978 bis 1982 unterrichtete die ausgebildete Hebamme Krankenschwestern in Amerika und arbeitete in verschiedenen Missionsstationen in Simbabwe. 2005 übersiedelte sie nach Kanada. 2014 wurde Ncube Provinzoberin der Nordamerikanischen Provinz. 2018 wurde sie zur Generaloberin der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut gewählt. Seitdem lebt sie in Rom, reist aber in ihrer Funktion durch die ganze Welt. In Österreich haben die Missionssschwestern ein Kloster im Kärntner Wernberg.

Quelle: Kathpress, Der Sonntag

[elisabeth mayr]