Ordensnachrichten 2008/5 - Zum Geleit

 


Geleitwort ON 5/2008 von
P. Christian Tauchner SVD,
Chefredakteur der „Stadt Gottes“ und Leiter des Zeitschriftenverlags St. Gabriel, Mödling

Diplomarbeiten haben einen begrenzten Auftrag: Sie sollen dem Verfasser einen Titel verschaffen und der Universität beweisen, dass der Autor sein Studiengebiet beherrscht. Das hat Johannes Pernsteiner mit seiner Diplomarbeit über die Ordens­presse in Österreich unter Beweis gestellt. Der zusätzliche Wert dieser Diplomarbeit ist äußerst erfreulich und lobenswert: Sie bearbeitet ein bisher kaum beachtetes Gebiet, liefert neue Informationen und kann den (männlichen) Orden Österreichs allerhand zu denken geben. Dazu wird sie in den Ordensnachrichten veröffentlicht. Die Studie analysiert die Ordenspresse Österreichs. Der erste Teil der Arbeit widmet sich der Diskussion der Literatur zur Methode: Der religiöse Glaube in der aktuellen Gesellschaft, die Soziologie der „Milieus“, die Einordnung der Ordensgemeinschaften in die Gesellschaft. Darauf folgen kommunikationswissenschaftliche Rahmenfragen: religiöse Kommunikation, Ordenskommunikation und die Erarbeitung der Daten, die in dieser Studie dargestellt werden. Diese einleitenden Kapitel werden hier übersprungen.

In der zweiten Hälfte der Arbeit geht es um die Ergebnisse der Untersuchung Pernsteiners – sie werden hier dokumentiert. Mit seiner Arbeit hat Johannes Pernsteiner die bisher umfassendste Studie über die Ordenspresse in Österreich geschrieben. Für diesen Dienst gebührt ihm auf jeden Fall großer Dank.  Der Ort der Orden  Im Hintergrund der Ergebnisse der Arbeit Pernsteiners lese ich immer wieder, wie ein Wasserzeichen im Papier, die Frage nach dem Ort der Orden in der Gesellschaft. Welche Stellung nehmen wir in der Gesellschaft ein? Viele unserer traditionellen Dienste werden von der Gesellschaft heute anders wahrgenommen. Für die Aufgaben und Herausforderungen von Schule, Gesundheit und Erziehung sind die Menschen nicht mehr auf die Orden angewiesen, die gleichen Dienste werden auch anderswo geleistet; man kann sie auch außerhalb von Orden leisten, daher gibt es auch weniger Ordensberufe dafür. Ein guter Teil der untersuchten Ordenspresse verlängert die traditionellen Dienste und Charismen der Orden: Es geht den Zeitschriften um die Verbreitung der Ordensspiritualität, um die Finanzierung der Projekte und Aufgaben der Orden, von der Erziehung über die ganzheitliche Begleitung von Kranken bis zur „Mission in den Heidenländern“ (um den veralteten Begriff zu verwenden). Hier wird man kritisch anfragen dürfen, ob die Gruppierungen der Presse (in der Diplomarbeit) tatsächlich so funktionieren, ob man die verglichenen Zeitschriften wirklich miteinander vergleichen kann. Im Zentrum ihrer Medien sieht die Untersuchung den jeweiligen Orden, mit seiner traditionellen Aufgabenstellung, dem bekannten Charisma, in einem christlichen Umfeld. Kommunikation wird in dieser Konstellation leicht zur Verbreitung der eigenen Wahrheit. Sie gibt Antworten auf Fragen, die keiner stellt. Es ist allerdings das gängige Modell unserer Kirche. Die Teilnahme an der Öffentlichkeit, das Eingehen auf Fragen der Zeit geschieht kaum – ablesbar an den schwindenden Lesern der Ordenspresse. In den Schlussfolgerungen schlägt Pernsteiner der Ordenspresse verschiedene Zukunftsmöglichkeiten vor: „Relaunch“, d. h. Überarbeitung und Neukonzeption, bessere Werbung, Zusammenarbeit (mit anderen Orden), verstärkte Präsenz im Internet, Professionalität – Perspektiven vor allem aus dem Marketing. Die Grundfragen nach der Bedeutung der Orden in der Gesellschaft und ihrer Provokation für unsere Zeit werden nicht gestellt. Man wird sich auch von bester Werbung und Internetauftritten nicht zu viel für unsere traditionellen Medien erwarten dürfen. Die Fokusgruppe zu den Leser­erwartungen in dieser Arbeit reichte für die Diplomarbeit, eine ernsthafte Neuorientierung von Ordenszeitschriften wird sich aber eingehender mit ihren Lesern beschäftigen müssen. Diese Mühe, unseren gesellschaftlichen Beitrag in Dialog mit der Gesellschaft und von ihr her zu konstruieren, bleibt jedem Orden und uns allen zusammen als Grundaufgabe ins Stammbuch geschrieben, wenn wir in (der näheren) Zukunft einen Beitrag leisten wollen.